Wohnprojekte starten - wo und wie kann ich mich informieren?
Romy Reimer vom "Forum gemeinschaftliches Wohnen" kümmert sich um bessere Netzwerke für alle Menschen, die sich für neue Wohnformen interessieren
Privat
Gemeinschaftlich wohnen
Eine Projektbörse für Wohninteressierte
Gemeinschaftlich und anders wohnen - das wollen so viele Menschen. Wie und wo kann ich mich informieren? Und warum funktioniert die Vernetzung trotz all der Angebote nicht besser?
Tim Wegner
28.08.2025
4Min

Es ist schade: Auf der einen Seite gibt es immer mehr Menschen, die gerne anders wohnen wollen und nicht wissen, wie und wo sie sich informieren können.

Ihnen gegenüber stehen längst Vereine, Initiativen, Architektinnen, Gemeinden und professionelle Projektentwickler-Büros, die das gemeinschaftliche Wohnen, und all die neuen Ideen dazu, fördern wollen.

Wie kommen beide Seiten zusammen?

Romy Reimer ist Sozialökonomin, leitet die Geschäftsstelle beim "Forum gemeinschaftliches Wohnen" und hat dort die Webseite "WIN" mit aufgebaut.

"Wohnprojekte schießen wie Pilze aus dem Boden", sagt sie. Dem gegenüber stehe ein Flickenteppich an regionalen Beratungsstellen, Netzwerken und Webseiten. WIN ("Wissen, Informationen, Netzwerke") ist bundesweit und erfüllt vor allem "eine Lotsenfunktion", sagt Romy Reimer.

Die Seite hat drei Bereiche: Eine Projektbörse, ein Wissenstool und einen "Förderfinder", aufgeteilt nach Bundesländern. Denn ein Grund dafür, dass gemeinschaftliche Wohnprojekte so selten den genau gleichen Weg beschreiten können: Wohnen ist Ländersache und so hat jedes Bundesland seine eigenen Förderkriterien und Institute. Und: Wohnprojekt ist eben nicht gleich Wohnprojekt. Sind drei Menschen in einer Alters-WG schon ein Projekt? Muss es zum Mieten sein? Geht auch Eigentum? So vielfältig die Menschen sind, die diese Projekte anstoßen, so vielfältig ist auch die Szene drumherum.

Romy Reimer und ihr Team sind daher dankbar für die finanzielle Unterstützung aus dem Bundesfamilienministerium, Geld, das den Aufbau überhaupt ermöglicht hat. Stetig verzeichnet die Webseite höhere Zugriffszahlen, auch die telefonische Hotline werde häufiger genutzt. Der Bedarf, so Reimer, steige.

Gerade wurde die Finanzierung für weitere drei Jahre gesichert - und danach? "Bis dahin", sagt Romy Reimer, müssten in jedem Bundesland, in jeder Region, jeder Großstadt ein Angebot stehen, also möglichst gut aufgestellte Landesberatungsstellen, wie es sie zum Beispiel in Hamburg mit der Agentur für Baugemeinschaften oder in Frankfurt mit dem Netzwerk Gemeinschaftliches Wohnen gibt. Parallel dazu wünscht sie sich eine größere Anzahl von "passgenauen Finanzierungsmodellen" - was in dem einen Land förderungswürdig ist, ist es wenige Kilometer weiter über die Landesgrenze hinaus manchmal nicht mehr. Schwierig.

Hier ein kleines Video, das erklärt, wie WIN funktioniert:

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Für Romy Reimer ist es wichtig, dass alle Angebote auf der Webseite einen einfachen Zugang haben: "Es geht hier ja vor allem um Gruppen, die oft solidarisch gemeinschaftlich leben wollen", und das heißt Menschen, die vielleicht schon jetzt in einer "vulnerablen" Situation sind und von anderen Unterstützung brauchen.

Das wichtigste Stichwort in diesem Zusammenhang: "Einsamkeit", sagt Reimer. Einsamkeit werde in den nächsten Jahrzehnten für viele Menschen zum größten sozialen Probleme, der demografische Wandel und der Fachkräftemangel werde noch mehr Menschen als jetzt in die Einsamkeit treiben.

Lesetipp: Famev - Der Verein "Freunde alter Menschen" organisiert Besuche zwischen Jung und Alt

Neben Plattformen wie WIN gibt es weitere Angebote im Netz, über viele hier habe ich schon berichtet: Stiftung Trias, Montagstiftung Urbane Räume, das Netzwerk Zukunftsorte. Es gibt Angebote zum Wohnungstausch, in der Schweiz und in Deutschland; es gibt Forschungsgruppen, Architekten und immer wieder großartige realisierte Projekte mit einer Leuchtturm-Wirkung weit über die Stadtgrenzen hinaus.

Lesetipp: Wie funktioniert das gemeinschaftliche Wohnen in der "Allmende" in Gundelfingen?

Und trotz der steigenden Nachfrage, dem großen medialen Interesse und auch den vielen Angeboten gibt es diese großen Informationslücken. Ich selbst bekomme in der Wohnlage immer wieder Anfragen dieser Art: Ich würde so gerne anders wohnen, aber ich weiß nicht wie.

Woher kommt das? Alles, was mit dem neuen Wohnen und Bauen zusammenhängt, sei von unten entstanden, sagt Romy Reimer: Bottom Up. Ganz unterschiedliche Strömungen aus unterschiedlichen Richtungen haben im Lauf der Jahrzehnte für den breiten Flickenteppich gesorgt. Sowohl bei den Menschen, die selbst anders leben wollen, als auch bei den Profis, die dafür sorgen, dass es entsprechende Angebote gibt.

Genau deshalb sind Themen wie eine gute (!) Neue Wohnungsgemeinnützigkeit so wichtig; genau deshalb braucht es Fachleute in der Verwaltung und in der Politik, die die Instrumente für einen Wechsel bereitstellen.

Und es braucht den Zusammenschluss der vielen Vereine und Organisationen, damit auch Laien verstehen können, was es alles schon gibt; allein die vielen Namen und Abkürzungen sind wirklich verwirrend...

Eine Gelegenheit dazu ergibt sich nächstes Jahr im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) in Stuttgart: Vom 19. bis 20. Juni 2026 treffen sich Menschen und Organisationen, reden, arbeiten und feiern das, was so viele sich wünschen: Beim "Zusammen leben Festival". Ich werde im Rahmen meines Ehrenamtes beim Netzwerk Immovielien e.V. dabei sein - und dann sicherlich hier darüber berichten.

PS: Die Wohnlage macht Pause und erscheint wieder Ende September

Infobox

Zur Webseite WIN vom Forum für Gemeinschaftliches Wohnen

Zum Wohnprojekte-Portal der Stiftung Trias

Informationen gibt es auch beim Bundesverband der Baugemeinschaften

Die Montag Stiftung Urbane Räume vernetzt Kommunen und Akteure

Die professionell organisierte Plattform "Bring Together" matcht Interessenten und Projekte

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Kolumne

Dorothea Heintze

Wohnen wollen wir alle. Bitte bezahlbar. Mit Familie, allein oder in größerer Gemeinschaft. Doch wo gibt es gute Beispiele, herausragende Architekturen, eine zukunftsorientierte Planung? Dorothea Heintze lebt in einer Baugemeinschaft in Hamburg und weiß: Das eigene Wohnglück zu finden, ist gar nicht so einfach.