Dry January? Pro & Contra
Contra: Warum der Alkoholverzicht verlogen ist
In Deutschland wird zu viel Alkohol getrunken, selbst Jugendliche dürfen ihn kaufen. Ein Fastenmonat verharmlost nicht nur unseren Umgang mit der Sucht, er ist sogar Teil des Problems.
Nach den Feiertagen ist der "Dry January" eine Chance, 30 Tage lang auf Alkohol zu verzichten
Maria Korneeva / Getty Images
Lena Uphoff
07.01.2026
2Min

Die Gesundheitskampagne "Dry January" ruft auf, im Januar auf Alkohol zu verzichten. An sich eine nette Idee, aber in der Praxis total verlogen. Ich kenne viele Menschen, die im Januar demonstrativ mit Schorle anstoßen und ihre Alkoholfreiheit in den sozialen Medien ausschlachten. Der "Dry January" dient den Verzichtenden als Beweis, nicht süchtig zu sein. Schließlich hält man ja einen Monat ohne Alkohol aus - nur um im Februar umso heftiger zu bechern. Der "Dry January" ist die Lebenslüge der Zuvieltrinker: Sie reden sich ein, sie hätten ihren Konsum im Griff.

Der "Dry January" löst kein Problem in einer Gesellschaft, in der das Problem Alkohol immer noch verharmlost wird: durch Sektwerbung im Fernsehen, durch Bierwerbung beim Fußball, durch Maßkrug stemmende Politiker wie Markus Söder auf Instagram.

Wir sind ein Hochkonsumland. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit erfüllen 2,2 Millionen Deutsche die medizinischen Kriterien einer Abhängigkeit und 1,7 Millionen die Kriterien für Missbrauch. Nach eigener Aussage trinken sich durchschnittlich 23,5 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal im Monat einen Rausch an, dabei sind doppelt so viele Männer wie Frauen. Täglich konsumieren 14,8 Prozent der Befragten zwischen 18 und 64 Jahren Alkoholmengen, die hohe Gesundheitsrisiken bergen.

Solange 16-Jährige legal Bier und Wein kaufen und trinken dürfen, solange das Kotzen im Vereinsheim normal ist, solange bei Firmenfeiern mit Sekt angestoßen wird - so lange bleibt der "Dry January" ein Furz im Wind.

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