Als Schüler ging Namiro Ussene Ali oft am Strand von Beira entlang. Dort erhob sich ein schneeweißer Palast. Mehrstöckig, großzügige Balkone, Fassade im Art-déco-Stil. Ali sah weiße Menschen, die sich am Pool sonnten und Cocktails schlürften. Das war 1974. "Alles war so schön hier."
Und jetzt? Ali, 67 Jahre alt, hagere Statur, steht in dem gigantischen Gebäude, das er damals nur von außen sah. Die Wände sind verschmutzt, Fenster fehlen, es riecht nach Kot. Überall liegt Müll, in einer Ecke flackert ein kleines Feuer.
Die Ruine ist Alis Zuhause. Er lebt im Grande Hotel, oder genauer gesagt: Er besetzt es. Zusammen mit Tausenden anderen Menschen. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Ein vertikaler Slum mitten in Beira, Mosambiks viertgrößter Stadt. Das ehemalige Luxushotel liegt direkt am Meer wie ein gestrandetes Schiff. Durch ein Loch in der Wand sieht man das Glitzern des Indischen Ozeans.
Wo früher die Lobby des Hotels gewesen sein muss, liegen Netze auf dem Boden. Ali geht um sie herum, hebt eines auf, steckt seine Finger in die Maschen: "Drei Finger für die Fische." Dann ein anderes: "Zwei für die Garnelen." Ali ist Fischer. Theoretisch zumindest. Der Meeresspiegel steigt, erklärt er, außerdem ziehen Fische in tiefere, kühlere Gewässer. Eine Folge der Klimakrise. Deshalb müsste er eigentlich auf das offene Meer hinausfahren. Doch für ein Motorboot fehlt ihm das Geld. Also fischt er von Hand, meist zusammen mit seinem Sohn. Die Netze bleiben oft leer.
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