Mosambik
Das Hotel der Vergessenen
Wo einst Prunk herrschte, geht es heute ums Überleben. Im Grande Hotel von Beira in Mosambik haben die Menschen in Ruinen ihre eigene Ordnung geschaffen
Das verkommene Hotel, eine Frau läuft auf den Haupteingang zu
Die großen Zeiten des Grande Hotel Beira sind vorbei. Heute dient der einstige weiße Palast mit 350 Räumen einer Notgemeinschaft von bis zu 4000 Menschen als "vertikaler Slum"
Evgeny Makarov
Autor Niklas Franzen fotografiert von Andressa GuerraAndressa Guerra
Dmitrij Leltschuk
15.05.2026
12Min

Als Schüler ging Namiro Ussene Ali oft am Strand von Beira entlang. Dort erhob sich ein schneeweißer Palast. Mehrstöckig, großzügige Balkone, Fassade im Art-déco-Stil. Ali sah weiße Menschen, die sich am Pool sonnten und Cocktails schlürften. Das war 1974. "Alles war so schön hier."

Und jetzt? Ali, 67 Jahre alt, hagere Statur, steht in dem gigantischen Gebäude, das er damals nur von außen sah. Die Wände sind verschmutzt, Fenster fehlen, es riecht nach Kot. Überall liegt Müll, in einer Ecke flackert ein kleines Feuer.

Die Ruine ist Alis Zuhause. Er lebt im Grande Hotel, oder genauer gesagt: Er besetzt es. Zusammen mit Tausenden anderen Menschen. Ohne Strom, ohne fließendes Wasser. Ein vertikaler Slum mitten in Beira, Mosambiks viertgrößter Stadt. Das ehemalige Luxushotel liegt direkt am Meer wie ein gestrandetes Schiff. Durch ein Loch in der Wand sieht man das Glitzern des Indischen Ozeans.

Wo früher die Lobby des Hotels gewesen sein muss, liegen Netze auf dem Boden. Ali geht um sie herum, hebt eines auf, steckt seine Finger in die Maschen: "Drei Finger für die Fische." Dann ein anderes: "Zwei für die Garnelen." Ali ist Fischer. Theoretisch zumindest. Der Meeresspiegel steigt, erklärt er, außerdem ziehen Fische in tiefere, kühlere Gewässer. Eine Folge der Klimakrise. Deshalb müsste er eigentlich auf das offene Meer hinausfahren. Doch für ein Motorboot fehlt ihm das Geld. Also fischt er von Hand, meist zusammen mit seinem Sohn. Die Netze bleiben oft leer.

4000 Menschen sollen im Grande Hotel leben. Genau weiß das niemand. Wie in jedem Hotel gibt es auch hier bessere und schlechtere Zimmer. Die Ärmsten leben unten. Dort wohnt Ali mit seiner Familie. Mehrfach brach die Cholera aus, viele Menschen sind HIV-positiv. Ali hustet, Nachwehen einer Tuberkuloseinfektion. Er will nicht klagen, ist dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben. Alles sei sowieso Gottes Plan. Ali ist streng religiös. Mitglied einer Pfingstkirche, wie so viele hier. Die Religion gibt Halt an einem Ort, der auf den ersten Blick von Gott vergessen scheint.

Freitreppe für Schwindelfreie: Hier gibt es schon lange keine Geländer mehr, und an eine nächtliche Treppenhausbeleuchtung ist nicht zu denken

Das Grande Hotel, Inbegriff des Elends, muss immer wieder als Symbol für die Entwicklung des Landes herhalten. Doch dieser Ort ist mehr. Selbst an einem der härtesten Plätze entstehen Menschlichkeit, neue Formen von Gemeinschaft, eine eigene Ordnung. Und das Grande Hotel ist auch ein Ort der Toleranz. Ein Ort, an dem Christen und Muslime friedlich zusammenleben. An dem sich der evangelikale Pastor und der Imam gegenseitig unterstützten. Und das in einem Land, in dem religiöse Konflikte zunehmen.

Das Leben von Luisa Alino spielt auf dem belebten Vorplatz des Hotels. Hier stehen kleine Stände, eigentlich nur Bretterverschläge. Einer davon gehört ihr, einer Frau mit ernster Miene, 33 Jahre alt, die einen bunten Wickelrock um die Hüfte trägt. Sie verkauft das Nötigste: Gemüse, Bratöl, Salzfisch. Die Preise ändern sich täglich. Je nachdem, was sie gerade einkaufen konnte.

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Alino spritzt Wasser auf das Gemüse und verscheucht einen Hund, der zwischen den Ständen herumschnüffelt. Ein Junge bleibt stehen, drückt ihr ein paar Scheine in die Hand. Alino packt Tomaten in eine Plastiktüte. Ein kurzes Nicken, der Junge verschwindet im Hotel.

Alino kam als Kind ins Grande Hotel. Damals thronten noch die Lettern über dem Bau: Grande Hotel. Heute sind sie verschwunden, wie fast alles, was einen Wert hatte. Fenster, Rohre, die Stahlseile der Aufzüge. Alles wurde im Laufe der Jahre herausgerissen und verkauft. Jetzt steht das Hotel da wie ein Gerippe aus Beton. Nur noch der Name erinnert an den Glanz von früher.

Namiro Ussene Ali, 67, ist Fischer - doch viel gibt das Meer vor dem Hotel nicht mehr her, und für ein Motorboot fehlt ihm das Geld

1955 eröffneten die portugiesischen Kolonialherren das Grande Hotel in Beira. In Strand- und Stadtnähe lebte damals eine weiße, portugiesischstämmige Bourgeoisie. Die schwarze Bevölkerung wohnte am Stadtrand. "Stolz Afrikas" nannten die Portugiesen das Hotel, es entwickelte sich schnell zum Treffpunkt der weißen Elite. Auf alten Aufnahmen sieht man Ballsäle, Restaurants, den olympischen Swimmingpool. Doch selbst zur Blütezeit war das riesige Hotel nur selten ausgebucht. Nur acht Jahre nach der feierlichen Eröffnung stellten die Besitzer den Hotelbetrieb wieder ein.

Nach der Unabhängigkeit 1975 mussten die Portugiesen praktisch über Nacht das Land verlassen. Es folgte ein brutaler Bürgerkrieg. Der Keller des Hotels diente fortan als Gefängnis, die oberen Stockwerke nutzte das Militär. Dann kamen die ersten Flüchtlinge. Und sie blieben. In jedem Winkel des Gebäudes sitzen die Traumata des geschundenen Landes. Mosambik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt.

2019 fegte der Zyklon Idai über die Stadt und zerstörte sie fast vollständig. Das Hotel hielt stand, und mit ihm die Bewohner. Heute spüren sie immer öfter die Auswirkungen der Klimakrise. Beira gehört zu den Städten, die weltweit am stärksten von der Klimakrise bedroht sind.

Wo einst Luxus-Limousinen vorfuhren, steht heute ein kleiner Markt aus Bretterverschlägen. Auch der Strand vorm Hotel ist schon lange nicht mehr den wohlhabenden Touristen vorbehalten

Ein kleines Mädchen in knallpinkem T-Shirt läuft am Stand von Alino vorbei. "Schau dir das an", sagt sie. Eine große Narbe auf dem kleinen Bein. Vor ein paar Jahren sei ein Teil des Dachs eingestürzt und habe das Kind unter den Trümmern begraben. Das Gebäude ist stark einsturzgefährdet.

Und dann ist da noch die Dunkelheit. Einige Kinder seien schon in die Aufzugschächte gestürzt, erzählt man hier. An vielen Stellen geht es steil nach unten. Wer hier lebt, muss schwindelfrei sein. Das Leben im Grande Hotel sei hart, sagt Alino, aber immer noch besser als an vielen anderen Orten. Auf dem Land litten viele Menschen Hunger. Hier dagegen sei man zentral, die Innenstadt nur wenige Gehminuten entfernt. Fast alle Hotelbewohner arbeiten im informellen Sektor. Als Markthändler, Putzkräfte, Lieferanten.

Am nächsten Morgen macht sich Alino in aller Frühe auf den Weg zum Großhändler. Der Kleinbus schlängelt sich durch den Stau von Beira, vorbei an knatternden Motorrädern und allerlei Gefährten, die so schwer beladen sind, dass man sich fragt, wie sie überhaupt noch vorankommen. Im Zentrum der Stadt liefern sich bröckelnde Kolonialfassaden und sozialistische Betonbauten ein skurriles Duell. Je weiter man hinausfährt, desto niedriger werden die Häuser. Randgebiete mit Wellblechhütten, immer ländlicher.

Luisa Alino, 33, kam schon als Kind ins einstige Grande Hotel. Heute versucht sie mit dem Verkauf von Obst, Gemüse und Fisch sich und ihre sechs Kinder über Wasser zu halten

Auf dem kilometerlangen Großmarkt angekommen, feilscht Alino hart um die Preise und lässt jede Ware sorgfältig abwiegen. Sie kauft in großen Mengen ein, verkauft dann in kleinen Portionen weiter. Der Gewinn ist klein, aber gerade genug, um über die Runden zu kommen. Alino hat sechs Kinder. Sie sollen eines Tages die Chance bekommen, zu studieren. Medizin, wünscht sich die Mutter.

Unterstützung von der Stadtverwaltung gibt es nicht, sagt Alino. Mehr will sie dazu nicht sagen. Auch die anderen Bewohner meiden Gespräche über Politik. Die Lage im Land ist angespannt, die Angst spürbar. Nach der Wahl im Oktober 2024 kam es landesweit zu Protesten. Der Vorwurf: Wahlfälschung. Auch in Beira, einer Hochburg der Opposition, kam es zu Konflikten.

Am Abend bindet Alino ihr Kopftuch um. Sie ist Muslima, lebt ihren Glauben jedoch pragmatisch. Rund 17 Prozent der Bevölkerung Mosambiks sind muslimisch. Alino läuft durch das Hotel. Ein Mann sitzt an einer Nähmaschine, Mädchen flechten sich gegenseitig die Haare. Alino geht an johlenden Kindern vorbei, die mit etwas spielen, das zumindest aussieht wie ein Fußball. Die Moschee liegt in der ehemaligen Hotelbar direkt am Pool. Aus dem wächst heute Schilf, in dem bräunlichen Wasser schwimmen Plastikflaschen. Frauen schöpfen es hoch, um Wäsche zu waschen.

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Mehrmals in der Woche trifft sich Alino mit anderen Frauen. Später erzählt sie uns, worüber gesprochen wurde: Ein alter Mann brauche Hilfe, jemand sei krank, andere hätten nichts zu essen. Es werde gesammelt, verteilt, unterstützt. Die Frauen organisieren sich. Die Gemeinschaft funktioniert, trotz aller Widrigkeiten, die das Leben im Hotel mit sich bringt.

Es ist stockdunkel, als sich Alinos Tag dem Ende nähert. Um zu ihrer Wohnung zu gelangen, muss sie durch einen dunklen Korridor laufen. In einer Ecke sitzen ein paar Männer und rauchen Marihuana, laute Bassmusik hallt durch die Gänge. Vor einer Tür bleibt Alino stehen, steckt den Schlüssel ins Schloss, dreht ihn um. Die Tür öffnet sich. Dahinter ein dunkler, fensterloser Raum, vielleicht 30 Quadratmeter groß. Sie knipst eine batteriebetriebene Lampe an, Strom gibt es nicht. Hier schlafen Alino, ihre Mutter, ihr Mann, die Kinder und drei Neffen auf dünnen Strohmatten, die zusammengerollt in einer Ecke stehen.

Strom gibt es nicht im Grande Hotel, jedenfalls nicht legal. Luisa Alino behilft sich im Dunkel der Korridore und in ihrem Raum mit einer Taschenlampe

Ein Stockwerk höher lebt Mateus Araújo. Seine genaue Adresse? "Erster Stock, linke Seite, siebte Tür." Araújo, 24, klein gewachsen, T-Shirt mit chinesischen Schriftzeichen, lebt hier zusammen mit Frau und Baby.

Im Vergleich wirkt das Zimmer fast schon luxuriös. Kein Meerblick, aber ein kleiner Balkon. Und ein Fernseher. Ab und zu schaue er eine Telenovela, sagt er. Den Strom zapft er illegal ab. Araújo arbeitet einer Sandalenfabrik. Doch bekannt ist er für etwas anderes. In der Ecke steht eine Holzkiste, darauf liegt eine dicke Bibel. Araújo ist Pastor. Seine Gemeinde heißt Igreja Remanescente Internacional. Die Kirche der Übriggebliebenen. Andere Bewohner sagen über Araújo: Er ist einer, der zuhört, vermittelt, hilft. Bei Ehekrisen, Alkoholmissbrauch, Gewalt.

"Wegen des schlechten Zustands unseres Hauses denken viele, dass hier alle Drogen nehmen oder kriminell sind"

Mateus Araújo

Im Grande Hotel gibt es auch eine eigene Verwaltung, für jeden Block einen Verantwortlichen. Ein Block, das sind zehn Wohnungen. Ab und zu gebe es Treffen, manchmal werden Putzaktionen geplant. An diesem Ort, der auf den ersten Blick gesetzlos wirkt, herrschen Regeln. Sogar ein Gericht existiert, das Bewohner bei Fehlverhalten sanktioniert. Diebe und Vergewaltiger, heißt es, werden aus dem Haus geworfen. Doch wie das genau funktioniert, will im Haus niemand erklären. Und nicht selten werden Konflikte mit Gewalt gelöst: Zwei Männer prügeln sich mit Holzlatten, es wird laut gebrüllt. Einige Bewohner schauen sich das Schauspiel belustigt an, andere gehen einfach an den Streithähnen vorbei, als wäre das hier völlig normal.

Als Kind sei es hart gewesen, hier zu leben, sagt Araújo. Wegen der prekären Bedingungen. Aber auch wegen der Vorurteile. In der Schule erzählte er, dass er im Grande Hotel wohne. Daraufhin hätten sich seine Mitschüler vor ihm gefürchtet, einige ihn gemieden. "Das hat mich sehr getroffen." Heute lebt er gerne hier. Der Zusammenhalt, die Nähe zur Innenstadt, die Toleranz gegenüber seiner Kirche. Er habe viele schöne Momente erlebt. "Wegen des schlechten Zustands unseres Hauses denken viele, dass hier alle Drogen nehmen oder kriminell sind." Das stimme nicht. Wer das Hotel kennenlerne, bekomme schnell ein anderes Bild.

Araújo zieht sich um, er trägt jetzt ein Hemd. Er schnappt sich die Musikanlage und macht sich auf den Weg. Sein Ziel liegt ein Stockwerk über der Lobby. Dort feiern sie ihre Gottesdienste. Provisorisch, meint Araújo. Er träumt von einer eigenen Kirche. Am liebsten vor dem Hotel, zwischen Fußballplatz und Strand. Dort, wo abends viele Bewohner zusammenkommen.

Der einstige Luxus-Pool mit olympischen Maßen ist zum verwilderten Biotop geworden, was sich darin an Wasser sammelt, dient den Frauen zum Wäschewaschen

In einer Ecke bauen er und seine Frau alles auf. Sie spannen eine Plane und stellen Stühle auf. Die rötlich schimmernde Nachmittagssonne fällt durch die Maueröffnungen und taucht den Raum in warmes, dunkelrotes Licht. In der Ferne zieht ein Frachter vorbei. Heute ist der Gottesdienst den Kindern gewidmet. Auf Plastikstühlen sitzen sie in Reihen, einige albern herum. Davor stehen mehrere Frauen, in bunte Tücher gehüllt. Sie singen in Sena, einer der lokalen Sprachen. Mit Inbrunst feuert Araújo die Kinder an. "Ist Gott gut?", ruft er. "An jedem Ort", lautet die Antwort. Araújo reckt die Arme nach oben, hüpft, tanzt.

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Charismatische Pastoren und emotionale Cultos gehören zur evangelikalen Praxis. In ganz Mosambik sind solche Kirchen auf dem Vormarsch, viele mit Ursprung in Brasilien. Manche stehen im Verdacht, ihre Mitglieder schamlos auszubeuten und zweifelhafte Wunderheilungen durchzuführen. Andere sollen Vorurteile gegenüber anderen Religionen schüren. Davon ist im Grande Hotel jedoch nichts zu spüren.

Auch Araújo ist kein Dogmatiker. Früher war er selbst Muslim. Konflikte wegen der Religion habe es im Grande Hotel noch nie gegeben, sagt er. Das Zusammenleben verlaufe friedlich. "Es gibt Familien, in denen einige Muslime und andere Christen sind." Später erzählt uns das auch der Imam, ein freundlicher Mann, der stolz seinen Gebetsraum zeigt. Im Grande Hotel, sagt er, respektiere man einander. Anderswo ist das nicht selbstverständlich.

Mateus Araújo, 24, wohnt im 1. Stock und ist Pastor der "Kirche der Übriggebliebenen". Früher war er selbst Muslim, das Grande Hotel ist multireligiös, Konflikte haben hier andere Gründe

In Teilen des Landes nehmen die Spannungen zu. In Cabo Delgado, mehr als 1000 Kilometer von Beira entfernt, tobt seit 2017 ein Krieg. In der nördlichsten Provinz Mosambiks kämpft die Armee gegen eine islamistische Rebellengruppe. Diese soll Verbindungen zum IS haben und steht im Verdacht, Gräueltaten an Christen verübt zu haben. Allerdings ist der Konflikt komplex. Viele Faktoren begründen den Aufstand, Religion ist nur ein Element. Cabo Delgado verfügt über große Erdgasvorkommen, die auch internationale Konzerne anziehen. Die Bevölkerung profitiert kaum davon.

Ein paar Tage später, morgens, fast noch nachts. Der Mond schimmert blass hinter der Wolkendecke. Das Hotel wirkt gespenstisch im Nebel, Raben kreisen darüber wie über einer verlassenen Burg. Am Strand schlagen die Wellen ans Ufer, spülen Gischt und Müll heran. Araújo läuft am Wasser entlang, vor und zurück, murmelt tranceartig Psalmen. Dann zieht er die Flip-Flops aus, sein Gebet wird lauter, rhythmischer. Er klatscht in die Hände. Zwei ältere Frauen, in bunte Gewänder gehüllt, stimmen in den Singsang ein. Sie werfen sich auf die Knie, die Augen fest geschlossen. Später wird Araújo erklären: Jeden Morgen komme er hierher, um zu beten. Ein Ritual.

Er bete auch für seine Brüder und Schwestern im Hotel. Dafür, dass das Gebäude standhält. Dass sie hierbleiben können. Das Grande Hotel gehört der Stadt. Einst kursierten Gerüchte, chinesische Investoren hätten Pläne, es zu renovieren. Doch geschehen ist bisher nichts. Ob die Bewohner nach einer Renovierung bleiben dürften, ist mehr als fraglich.

Morgendliches Ritual bei Tagesanbruch: Pastor Araújos Gebet am Strand für das Grande Hotel und die Schicksalsgemeinschaft, die hier miteinander lebt

Namiro Ali, der alte Fischer, kommt oft auf die Dachterrasse. Um kurz durchzuatmen, die Aussicht zu genießen. Er blickt auf das Meer und die Stadt, die so viel ertragen hat. Auf dem Boden liegt Wäsche verstreut, zum Trocknen. Daneben haben Fischer ihre magere Ausbeute ausgebreitet: kleine Fische, Garnelen. Aus dem Mauerwerk sprießen Bäume, ihre Wurzeln sprengen den Stein. Wenn er könnte, sagt Ali, würde er die Stadt verlassen. Ein Stück Land irgendwo, vielleicht ein paar Kühe, das ist sein Traum. Eines Tages, sagt er, wird es klappen.

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