Die Tore zur kleinen Brauerei im Dorf Taybeh stehen offen wie immer. "Der Geschmack von Palästina", so wird das Bier aus dem Westjordanland beworben. Sieben Sorten, vom süffigen "Golden" über das untergärige Märzenbier bis zum bitterfrischen IPA. Man geht mit der Zeit und den lokalen Ansprüchen: Alle Sorten sind koscher, das Alkoholfreie ist auch halal. Gebraut wird nach dem Deutschen Reinheitsgebot.
Madees Khoury ist schon seit drei Uhr auf den Beinen. Die frühen Morgenstunden sind ihr heilig, sagt die 40-Jährige. Wenn die Hügel vor dem Fenster so friedlich wirken, wie sie es sein könnten, dann kann sie sich, oft noch im Pyjama, ganz auf ihr Brauhandwerk konzentrieren. Mit einsetzendem Morgengrauen wird sie dann wieder zur Problemlöserin: beschwichtigt Brauereifahrer, die seit Stunden an einem Militär-Checkpoint festhängen; bangt, dass Israel den Hopfen aus Bayern rechtzeitig freigibt; hofft, dass das Wasser in diesem Sommer reichen wird für die Produktion. Muss einen "Plan B, Plan C, Plan D" finden, wie sie sagt, um trotz Besetzung des Westjordanlands durch Israel der Familientradition nachzugehen.
Madees Khoury ist die erste Bierbrauerin im Nahen Osten, und sie ist eine der letzten Christinnen im Westjordanland. Die Brauerei ist mehr als ein Geschäft: Sie verortet die schrumpfende Minderheit der Christen auf der umkämpften Landkarte – wenn es die politische Lage zulässt, gibt es in der letzten christlichen Enklave des Westjordanlands sogar ein Oktoberfest. Vor allem jedoch erzählt sie vom friedlichen Widerstand und von der Hoffnung auf ein ganz normales Leben: Denn trotz aller Widrigkeiten verkaufen die Khourys ihr Bier nicht nur in Ramallah oder Bethlehem, sondern auch in Israel, und verschiffen es über den Hafen von Haifa in die Welt.
Aber mit der Ruhe ist es schon länger vorbei. Seit Sommer 2025 wird das Dorf von radikalen jüdischen Siedlern attackiert, erst Ende Februar wurden in der Nacht wieder zwei Autos angezündet.
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