Als er nach der Operation aufwacht, sieht Wolfgang Bauer als Erstes seine Mutter. Er hört das Piepsen des EKGs und sieht, wie das Licht an der Decke flackert. Der junge Landwirt aus Oberbayern zieht die Bettdecke weg: Statt seiner Hand sieht er dort einen einbandagierten Stumpf.
Rund sechs Stunden zuvor war sein rechter Unterarm bei einem Arbeitsunfall von einem Häcksler abgerissen worden. Bauer verdreht die Augen, schließt sie und reißt sie wieder auf. "Eine Prothese muss her!", sagt er zu seiner Mutter. Aufgeben – das kommt für den damals 20-Jährigen nicht infrage.
"Als mir klar wurde, dass meine Hand verloren ist, wollte ich sofort eine Prothese", sagt Bauer heute. "Das Leben muss ja weitergehen." Zehn Jahre ist der Unfall mittlerweile her. Bauer sitzt auf der Terrasse seines Hauses und schaut seiner zweijährigen Tochter Emily beim Munterwerden zu. Gerade hat sie noch ihren Mittagsschlaf gehalten.
In den Jahren seit seinem Arbeitsunfall hat sich Bauer hier in Dorfen, knapp eine Stunde von München entfernt, ein schönes Leben aufgebaut: Er ist verheiratet, hat neben dem elterlichen Hof ein großes Haus für seine Familie gebaut, den Landwirtschaftsmeister gemacht und den Milchviehbetrieb der Eltern übernommen. Ein Leben, wie er es sich immer gewünscht hat. Mit einer Ausnahme: Seine rechte Hand fehlt.
4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.


