Der Bauer Bernhardt von der Marwitz auf dem Feld mit einem Beutel voll mit Kirchererbsen
Bauer Bernhardt von der Marwitz
Fred Hüning
Neue Wege in der Landwirtschaft
Der Bauer auf der Erbse
Dem Weizen wird es in Brandenburg zu warm und zu trocken. Um künftige Ernteausfälle zu vermeiden, begibt sich ein Öko-Landwirt auf neues Terrain: Kichererbsen. Über eine zarte Annäherung an neue Pflanzen, Abnahmeprobleme und ein neues Leibgericht
Anke LübbertPR
08.12.2023
3Min

Bernhardt von der Marwitz, 30:

Ich leite einen ökologisch wirtschaftenden Betrieb in Brandenburg mit 1000 Hektar. In diesem Jahr haben wir zum dritten Mal Kichererbsen angebaut. Der Weizen wird wegen des Klimawandels in Brandenburg keine Zukunft haben. Wir haben schon immer Probleme mit Trockenheit auf unseren sandigen Böden. Dazu nun schon über Jahre Frühjahrstrockenheiten. Damit kommt der Weizen nicht gut klar. Die Kichererbsen sind eine Investition in die Zukunft.

Alles an den Kichererbsen müssen mein Betriebsleiter und ich selber herausfinden: Wann sät man, was macht man mit dem Unkraut, wann erntet man? Kichererbsen werden erst seit ein paar Jahren auf einigen wenigen Flächen in Deutschland angebaut. Die Erfahrungen aus dem Mittelmeerraum lassen sich nur begrenzt übertragen. Man muss schon ein halbwegs großer Betrieb sein, um ein paar Hektar dafür herzugeben, so was einfach mal auszuprobieren, da sehe ich uns auch in der Verantwortung. Mein Vater hat nach der Wende Flächen zurück­gekauft, die vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges lange im Familien­besitz waren.

Kichererbsen brauchen viel Wärme

Vor den Kichererbsen haben wir schon mit Soja experimentiert, das war sehr erfolgreich. Wir Landwirte müssen uns breiter aufstellen, um mit den Klimaveränderungen klarzukommen. In diesem Jahr bauen wir 13 verschiedene Feldfrüchte an, darunter auch andere Hülsenfrüchte wie Ackerbohne, Lupine, Felderbsen.

Kichererbsen müssten eigentlich gut gehen, denn die brauchen viel Wärme und sind vergleichsweise trockenresistent. Andererseits sind wir hier immer noch in Norddeutschland. Und je nachdem, woher der Wind kommt, macht das einen großen Unterschied. Kommt er aus dem Westen, haben wir im Sommer Hitze und Trockenheit. Die Ostwindlagen bringen eher kühleres Wetter und Regen.

Die erste Kichererbsenernte war ganz annehmbar, bei der zweiten haben wir zu früh gesät; spät in der Saison hatten wir ein Problem mit Unkraut, so dass die Ernte dann wirtschaftlich ein Totalausfall war.

Ein Problem ist, dass es noch keine ­funktionierende Wertschöpfungskette für regionale Kichererbsen in Deutschland gibt. Ich kann die zwar anbauen und ernten, aber dann gibt es keine Anlaufstellen, wo die sortiert werden, weiterverarbeitet oder verkauft. Auf dem Weltmarkt treten wir gegen günstige Ware aus dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten an. In Syrien oder der Türkei sind nicht nur die Bedingungen für die Kichererbsen besser, auch die Lohnkosten sind viel geringer. Der lange Transport fällt so beim Endprodukt kaum ins Gewicht. Alle ­wollen regionale Lebensmittel, aber wenn sie teurer sind, ist die Begeisterung oft nicht mehr so groß.

Dieses Jahr fiel die Ernte komplett aus

Berlin ist von hier aus nicht weit, da gibt es viele Menschen mit anderen Esskulturen, und auch unter jüngeren Leuten liegen Kichererbsen im Trend. Ich hoffe, dass es da theoretisch auch einen Markt für Direktvermarktung gibt, also Restaurants oder auch Fabriken, die sie weiterverarbeiten und verkaufen können. Aber bis jetzt habe ich noch keine Abnehmer gefunden. Mit einer libanesischen Restaurantkette bin ich preislich nicht zusammengekommen. Notfalls verkaufe ich die Kichererbsen selber. Ob vorgekocht im Glas, als Hummus komplett fertig zubereitet oder nur trocken in der Packung, weiß ich noch nicht.

Kichererbsen sind toll. Wie alle Hülsenfrüchte binden sie Stickstoff aus der Luft im Boden, sie sind eine Art von natürlichem Dünger. Das ist gerade in der Biolandwirtschaft enorm wichtig. Als Lebensmittel kannte ich Kicher­erbsen vorher gar nicht so richtig, mittlerweile mag ich sie auch gerne essen, vor allem als Hummus. Mein Vater betreibt auf unserem Hof ein Wirtshaus, da haben wir natürlich auch Kichererbsen auf der Karte.

In diesem Jahr haben wir den Anbauversuch im Frühsommer abgebrochen, weil die Entwicklung der Pflanzen so schlecht war, dass der Ertrag die Kosten nicht gedeckt hätte. Für eine neue Aussaat war es dann zu spät. Zusammen mit unseren Partnern vom Kichererbsennetzwerk Kiwerta wollen wir herausfinden, woran es lag und was wir nächstes Mal besser machen können. Ob wir in zehn Jahren immer noch Kichererbsen anbauen, weiß ich nicht, aber dass wir nach der ausgefallenen Ernte immer noch dabei sind, ist ja auch schon mal eine Aussage.

Protokoll: Anke Lübbert

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