Eine Kirche in Sachsen Anhalt, Dessau. Über das Foto zeiht sich ein blauer Schleier, bearbeitet durch die Redaktion
Die AfD hat die Kirche in Sachsen-Anhalt zur Gegnerin erklärt (Symbolbild)
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Wahl in Sachsen-Anhalt
Was tun, wenn die AfD wirklich regiert?
Die AfD in Sachsen-Anhalt und die Kirchen sind Gegner. Falls die Rechtsextremen am 6. September wirklich die Regierungsmehrheit gewinnen, darf die Kirche die Konfrontation nicht scheuen. Ein Kommentar
Lena Uphoff
12.08.2026
4Min

Ein Gespenst geht um in den Landeskirchenämtern in Deutschland – besonders gern in Mitteldeutschland. Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt gewählt und alle Umfragen sprechen für einen klaren Sieg der AfD. Zwar ist noch nicht sicher, ob das auch bedeuten würde, dass die in diesem Bundesland gesichert rechtsextreme Partei dann auch die Regierung stellen würde. Es ist jedoch möglich.

Und das würde nicht nur ganz allgemein das Bundesland verändern, sondern im Speziellen auch die Kirchen treffen. Die AfD in Sachsen-Anhalt hat die Kirchen zu einem Lieblingsgegner erklärt und sich in ihrem Wahlprogramm überraschend ausführlich mit den Kirchen beschäftigt. Die Partei will ihnen die Mittel kürzen. Sollte die AfD ihre kirchenpolitischen Pläne tatsächlich umsetzen, hätte das gravierende Folgen. Die Kirchen sollten deutlich herausstellen, was konkret sich dann ändern würde.

Für die größten Sorgenfalten sorgen bei den Kirchen sicherlich die Forderungen mit direkten finanziellen Auswirkungen. Die AfD will den staatlichen Kirchensteuereinzug abschaffen und die Staatsleistungen neu verteilen, nämlich an alle christlichen Kirchen und nach Mitgliederzahlen. Die sogenannten Staatsleistungen gehen auf das 19. Jahrhundert zurück, als die Kirchen vom Staat in großem Stil enteignet wurden. Die Staatsleistungen sind Ausgleichszahlungen dafür. Diese Staatsleistungen sind für die mitteldeutschen Kirchen wichtig. Sie machen sowohl bei den katholischen als auch bei den evangelischen Kirchen jeweils ungefähr 20 Prozent des Haushalts aus.

Die Intention der AfD ist klar: Die Kirchen sollen gefügig gemacht werden. Wer 20 Prozent des Geldes kontrolliert, hofft, auch inhaltlich mitreden zu können. Klar ist auch: Die AfD hat die Kirchen nicht ohne Grund zum Gegner erklärt. Sowohl die katholischen als auch die evangelischen Kirchen stehen in zentralen gesellschaftspolitischen Fragen häufig auf der anderen Seite als die AfD, etwa wenn es um Migration, den Umgang mit Minderheiten oder das Verständnis von Nächstenliebe geht. Gegnerschaft und Abneigung sind also wechselseitig. Und es ist nicht damit zu rechnen, dass die Kirchen ihre christliche Grundhaltung im Falle eines Wahlsieges der AfD aufgeben. Es stellt sich also die Frage: Was tun, wenn dieser Fall eintritt und die AfD den Kirchen Gelder streicht?

"Und selbst wenn Regenbogenfahnen an Kirchen wehen, kostet es kein Geld, sie dort aufzuhängen"

Konstantin Sacher

In den Landeskirchen wird schon länger über diese Frage beraten. Da viele der AfD-Pläne rechtlich fragwürdig bis sicher rechtswidrig sind, bereitet man sich darauf vor, dagegen zu klagen. Doch die AfD wäre als Regierung in der Lage, erst einmal rechtswidrig Fakten zu schaffen und beispielsweise Zahlungen einfach zurückzuhalten. In diesem Fall wäre der Rechtsweg zwar sinnvoll, aber eventuell keine schnelle Hilfe. Nun gibt es innerhalb der evangelischen Landeskirchen eine Art Solidaritätsprinzip. Landeskirchen mit mehr Geld überweisen Geld an finanzschwächere Kirchen. Es wäre denkbar, dass über diesen Mechanismus das fehlende Geld ausgeglichen wird. Diskussionen darüber gibt es bereits.

Doch wäre das eigentlich richtig? Die eigentliche Frage lautet nämlich nicht, ob die Kirchen das fehlende Geld irgendwie auftreiben könnten. Wahrscheinlich könnten sie das zumindest eine Zeit lang. Die entscheidende Frage ist, ob es taktisch klug wäre, die Folgen einer politischen Entscheidung für die Öffentlichkeit unsichtbar zu machen.

Die gängige AfD-Erzählung ist ja, dass die Kirchen ihr Geld angeblich nicht für den Glauben einsetzen, sondern "Genderismus" und "Regenbogenideologie" verbreiten und außerdem für eine grenzenlose Masseneinwanderung eintreten würden. Nun entbehren diese Vorwürfe auch jenseits ihrer Polemik jeder Realität. Und selbst wenn Regenbogenfahnen an Kirchen wehen, kostet es kein Geld, sie dort aufzuhängen.

Die Kirche setzt ihr Geld im Gegenteil ganz maßgeblich für gemeinwohlorientierte Arbeit ein, die keineswegs irgendwelchen der AfD unliebsamen Minderheiten dient, sondern jedermann und jederfrau – auch vielen AfD-Wählerinnen und -Wählern. Kirchliche Angebote richten sich selten ausschließlich an Kirchenmitglieder. Jugendsozialarbeit, Krankenhausseelsorge, Notfallseelsorge, aber auch Kindergärten, Kinderheime und Schulen werden mit Kirchenmitteln getragen. Zwar trägt der Staat stets den Großteil der Kosten, doch die Kirche muss immer einen Teil der Kosten selbst beisteuern.

Sollte die rechtsextreme AfD in Sachsen-Anhalt regieren, wird der Streit mit den Kirchen heftiger werden. Die Kirchen sollten dann nicht so tun, als hätte die Politik der AfD keine Auswirkungen. Wenn durch den EKD-Finanzausgleich und andere Hilfen alles möglichst am Laufen gehalten würde, wäre das ein Fehler. Erst wenn Lücken entstehen, können alle sehen, wie wichtig die Kirchen und ihre Arbeit für das Zusammenleben sind und wie unsozial die Politik der AfD.

Die Kirchen sollten Kindergärten schließen und Schulen und sie sollten ihre Seelsorger aus den Krankenhäusern abziehen. Sie sollten ihre psychologischen Beratungsstellen schließen und gleichzeitig medienwirksam berichten, was es konkret bedeutet, wenn die Kirche ihre gemeinwohlorientierte Arbeit einstellt. Die AfD-Wählerinnen und -Wähler sollen sehen, was sie mit ihrer Wahl anrichten.

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