Sie tun es immer wieder: Die Kirchen äußern sich zur aktuellen Politik. Gerade erst hat Papst Leo XIV. unmissverständlich gesagt, die sogenannte "Remigration", wie extrem rechte Parteien in Europa sie fordern, sei unchristlich. In Deutschland warnen die Synoden mehrerer Landeskirchen eindrücklich vor einer Regierungsbeteiligung der AfD und betonen, wie wichtig es für christliche Menschen sei, sich im Kampf gegen den Klimawandel und für soziale Gerechtigkeit zu engagieren.
All das wird häufig als indirekte Wahlempfehlung empfunden, und die Kirche wird aufgefordert, sich um ihre "eigentliche Aufgabe" zu kümmern. Dabei sind solche Äußerungen tatsächlich das Kerngeschäft der Kirche.
Was häufig als Einmischung in die Politik missverstanden wird, ist eine Klarstellung dessen, was als christlich gelten kann und was nicht. Das tut die Kirche seit 2000 Jahren. Die ersten Schriften des Neuen Testaments stammen vom Apostel Paulus. Er gründete nicht nur neue christliche Gemeinden, sondern er blieb mit ihnen in Kontakt. In seinen Briefen an die Gemeinden, mit denen Paulus zu tun hatte, macht er immer wieder deutlich, was seiner Überzeugung nach das richtige Verhalten für Christenmenschen ist – und was nicht. Es sind schriftliche Predigten, die Paulus verfasst, und Predigen gehört zum Christentum. Da widerspricht kaum jemand. Es kommt auf den Inhalt der Predigten an, ob sie als Einmischung in die Politik verstanden werden oder nicht.
Lesetipp: So geht die Kirche mit der AfD in Sachsen-Anhalt um
4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.


