Es gibt Formulierungen, die für Juden in Deutschland ein Warnsignal beinhalten. Etwa, wenn vom sogenannten "Schuldkult" die Rede ist. Oder von "Nationalmasochismus". Aber auch, wenn der sogenannte jüdische Gott der Rache mit dem christlichen Gott der Liebe kontrastiert wird. Oder die angebliche jüdische Blindheit der christlichen Erkenntnis gegenübergestellt wird.
In all diesen Fällen ahnen wir, wes Geistes Kind die Urheber sind. Dass diese Formulierungen instrumentalisiert werden, um nationalistische, revisionistische und chauvinistische Ideen zu transportieren, christliche Überlegenheitsfantasien zu formulieren und die jüdische Mutterreligion abzuwerten.
Und dann gibt es Formulierungen, die harmlos klingen, obwohl sie es nicht sind. Etwa der Begriff "deutsches Christentum". Nicht, weil jeder, der diese beiden Worte kombiniert, automatisch ein Nationalsozialist wäre. Und auch nicht, weil Deutsche nicht über ihre christliche Geschichte, ihre kulturellen Traditionen oder die religiösen Grundlagen Europas sprechen dürften.
Ganz im Gegenteil: Eine Gesellschaft, die nicht weiß, wo sie herkommt, wird kaum wissen, wohin sie gehen möchte. Aber zwischen der Feststellung, dass Deutschland über Jahrhunderte christlich geprägt wurde, und der Idee eines spezifisch "deutschen Christentums" liegt ein himmelweiter Unterschied.
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