Ein Vogel fliegt durch die Kirche der Evangelischen Reformationsgemeinde Magdeburg-Rothensee. Immer wieder steuert er auf eines der vielen Fenster zu, keines lässt sich öffnen. Unten vorm Altar steht Angela Göbke. Sie ist traurig, weil das Tier nicht herausfindet. Ebrahim, der Hausmeister, hat noch eine Weile in der Kirche zu tun und verspricht, die Tür offen zu halten. Angela Göbke, eine große Frau mit aufrechter Haltung, grauer Jacke und Bluse mit Blumenmuster, tut es weh, den Vogel so zu sehen.
Im Gemeinderaum hat die ehrenamtliche Pastorin gerade fast zwei Stunden lang über das gesprochen, was sie vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September bewegt.
Und sie hat von Peyman erzählt, einem Iraner, dem sie aus der Obdachlosigkeit geholfen hat. Er stand im Winter in kurzen Hosen und Badelatschen vor ihr an der Seite eines anderen Iraners, Javad, den Göbke schon kannte und der zu Peyman gesagt hatte: "Komm mit zu Mama, sie kann helfen, Mama macht nicht allein, Mama macht mit Jesus." Peyman, der sich Tränen ins Gesicht hat tätowieren lassen, zweifelte, ließ sich aber trotzdem auf Angela Göbke ein, ging mit ihr zum Jobcenter, damit er Geld bekommt.
Mitunter erlebt Angela Göbke bei den Behörden Rassismus: "Die behandeln die Leute manchmal wie den letzten Husten", sagt sie. Deshalb betet sie vor solchen Behördengängen. Peyman hat nun eine eigene Wohnung und einen Job. Und er ist nur Göbkes jüngster Fall, einer von vielen. Vor allem Afghanen und Iranern hat sie geholfen, einige haben sich taufen lassen und sind mittlerweile Gemeindeglieder in der Kirche – "in meiner Kirche", wie sie sagt.
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