Sie wird ihn verlassen und mit der Tochter in Karlsruhe bleiben. Der Anruf kommt nach Monaten im Krankenhaus, als schon Dutzende Operationen hinter Pavlo Tsatsenko liegen. Endlich spricht sie aus, was er schon längst geahnt hat. Kurz darauf besuchen die Frau und das Kind ihn zum letzten Mal in Kyjiw. Das Mädchen schaut ihn befangen an. Wo ist ihr starker Papa geblieben? Im Krankenbett liegt ein Mann mit Stomabeutel, ohne Bein und mit einem vier Zentimeter langen Armstummel.
Eine Woche später, im September 2024, klopft es an der Tür.
"Wollen wir spazieren gehen?", fragt eine rothaarige Fremde. Tsatsenko nickt und hievt sich in seinen Rollstuhl.
Tatjana Tschetschenko denkt: Der hat was. Sie fühlt sich sofort zu ihm hingezogen. Schnell schüttelt sie den Gedanken ab. Unpassend wäre das. Sie hat Psychologie studiert und arbeitet als Sales-Managerin. Parallel zu ihrem Job hat sie gerade erst einen Kurs zur psychologischen Rehabilitierung von verwundeten Soldaten abgeschlossen. Ihr erstes ehrenamtliches Beratungsgespräch ist mit Pavlo. Sie ist nervös.
Tsatsenko denkt: noch so ein Therapiegespräch. Aber eigentlich ist sie ganz nett.
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