Ukraine
Wie Menschen in Kyjiw die Eiseskälte aushalten
In Kyjiw herrschen bis zu minus 20 Grad. Vor allem ältere Menschen sind auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen. Ein Blick in den Alltag von Krieg und Kälte
Lydia Sherstyuk lebt auf der östlichen Seite des Flusses Dnipro, der durch Kyiv fließt
Lydia Sherstyuk lebt auf der östlichen Seite des Flusses Dnipro, der durch Kyjiw fließt. Diese Gegend ist besonders hart von den Blackouts betroffen
Jule Wild
privat
23.02.2026
3Min

Seit Wochen attackiert Russland immer wieder die ukrainische Energieversorgung. In Kyjiw harren die Menschen bei minus 20 Grad Celsius in unbeheizten Wohnungen aus. Strom gibt es nur unregelmäßig. Ältere Leute können ihre Wohnungen nicht verlassen und sind auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen. Die Fotografin Jule Wild hat Helferinnen und Helfer begleitet.

"Im Moment besteht der Alltag in Kyjiw zum großen Teil einfach nur aus Durchhalten", schreibt sie chrismon. "Wie viele Leute aktiv wurden! Überall in der Stadt haben Freiwillige angepackt, bei Essensausgaben, bei Aufräumarbeiten ... Man verharrt nicht lange im Schock, sondern handelt. Die Stadt kommt zusammen und Menschen schaffen es, das Beste aus beschissenen Situationen zu machen."

Eine Straße im Stadtteil Petchersk im Zentrum Kyjiws. Hier lebt die Fotografin Jule Wild. Gerade herrscht ein Blackout. Die Stromversorgung in den Häusern ist instabil

Energie wird strategisch genutzt, gespart oder ist einfach nicht mehr vorhanden. Während Ölheizungen ausfallen, heizen viele Leute mit dem Gasofen

Wenn es Strom gibt, dann nur für wenige Stunden: Die Studenten Yulia und Vasy im Zimmer ihres Wohnheims in Kyjiw, sie heizen elektrisch. Oft werden die Bewohner der Stadt plötzlich mitten in der Nacht wach – weil dann für kurze Zeit wieder Strom verfügbar ist

Eine ältere Dame in ihrer Wohnung. "Es ist hier vollkommen unbeheizt", betont sie immer wieder gegenüber den freiwilligen Helfern, die sie besuchen und ihr ein Hilfspaket mit Essen vorbeibringen. Um so wenig wie möglich zu frieren, hat sie mehrere Schichten Kleidung übereinander angezogen

Yavheniia und Volodymyr arbeiten ehrenamtlich bei der NGO "Starenki". Sie helfen bedürftigen Menschen und machen Besorgungen für sie. Hier gehen sie von Haus zu Haus

Auch dieser 94-jährigen, bettlägerigen Frau bringen die beiden warme Suppe vorbei

Seit über zwei Monaten liegt eine dicke Schneedecke in der ukrainischen Hauptstadt. Überall ziehen Kinder Schlitten hinter sich her, sie rutschen die vielen kleinen Hügel herunter. Es könnte ein Winter aus dem Märchenbuch sein.

Helferin Yavheniia greift nach dem Schlüssel einer Bewohnerin, um in ihre Wohnung zu kommen und ihr Einkäufe vorbeizubringen

Bars sind eine Alternative zum Ausharren in dunklen, kalten Wohnungen – und ein Abend mit Freunden wärmt auch. Viele Bars, Cafés oder Restaurants werden von Generatoren mit Strom betrieben, die draußen auf den Straßen brummen. Kyjiw ist etwas leerer geworden – einige Leute sind dem Ratschlag von Bürgermeister Klitschko gefolgt und haben die Stadt verlassen

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