In Deutschland werden fast 40 Prozent aller Ehen geschieden. Doch manchmal verlieben sich die Getrennten erneut ineinander. "Divorce regret" nennt man das Phänomen - zu Deutsch: Mist, ich hätte mich doch nicht scheiden lassen sollen. Aber warum nimmt man den Menschen zurück, der einem Kummer und Schmerz bereitet hat? Kann das gutgehen? Zwei Paare erzählen, warum sie es nochmal miteinander probiert haben.
Rahel und Christoph: Früher Wut, heute Freiheit
Rahel, 61: Das mit Christoph war etwas für mich ganz allein. Vorher gab es neben den vier Kindern keinen Platz. Ihr Vater – mein Mann – ist früh gestorben, mit Christoph war plötzlich wieder einmal ich an der Reihe. Wir haben uns, sooft es ging, getroffen. Ich weiß noch, wie ich nach einer Übernachtung bei ihm frühmorgens in den Kleidern vom Vorabend zu mir nach Hause gelaufen bin, um nach dem Rechten zu schauen. Dort warteten damals vier Teenies. Dann machte Christoph aus heiterem Himmel Schluss. Fertig. Es gab keinen Raum für Fragen oder Diskussionen.
Dieser Verlust hat viele Gefühle aus der Zeit hochgebracht, als mein Mann gestorben war. Genauso unwiderruflich fühlte es sich an. Und zum Trennungsschmerz hinzu kam eine Wut auf Christoph. Ich verstand es nicht, habe ihm Briefe geschrieben, verrückte und unschöne. Viele habe ich nie abgeschickt. Ich musste weiter funktionieren für die Kinder.
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