Maren Schäfer*, 26 Jahre alt:
Ich war gerade bei meinem damaligen Freund, als meine Mitbewohnerin mir schrieb: "Mir geht es gar nicht gut." Dabei wusste sie, wo ich war. Mein Freund und ich hatten uns extra diesen Abend genommen, weil wir sonst nicht viel Zeit füreinander hatten. Ich habe ihr dann geschrieben, dass ich jetzt nicht kann. Trotzdem habe ich mich extrem schuldig gefühlt, weil ich sie zurückweisen musste. Das war der Moment, in dem ich mir gesagt habe: Nee, so geht das nicht weiter.
Eigentlich bin ich eine sehr offene Person, menschenorientiert, die gerne Kontakt sucht. Auch deshalb wohne ich ein einer Wohngemeinschaft. Ich mag es, wenn man in der WG mal abends zusammen in der Küche steht und quatscht und nicht wie Fremde nebeneinanderher wohnt. Aber hin und wieder brauche ich meine Ruhe. Um mit anderen Menschen zusammenzuleben, braucht es nicht nur Offenheit, sondern man muss auch Nein sagen können. Das habe ich im vergangenen Jahr auf die harte Tour gelernt.
Seit März 2025 wohne ich nämlich mit einer Mitbewohnerin zusammen, die schwer krank ist. Es ging ihr über Monate hinweg sehr schlecht. Niemand wusste, was mit ihrem Körper los ist. Dazu kamen noch psychische Probleme. Das hat sie alles in der WG abgeladen. Dabei sollten Freund*innen und Familie sowas doch eigentlich am meisten auffangen.
4 Wochen gratis testen, danach mit 10 € guten Journalismus und gute Projekte unterstützen.
Vierwöchentlich kündbar.


