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Vor zwei Wochen war Vatertag – ein Tag, der mir persönlich nicht besonders wichtig ist. Ich gratuliere meinem Vater und befreundeten Vätern, wenn ich daran denke. Wenn mir jemand gratuliert, freue ich mich. Wenn nicht, ist es mir auch egal. Ich ziehe auch nicht mit einem Bollerwagen durch die Gegend, um mich mit Kumpels zu besaufen. Zwar würde mir das durchaus Spaß machen, aber mit zwei kleinen Kindern an einem Feiertag ohne Kindergartenbetreuung - Sie ahnen es - ist das logistisch eher schwierig. Das soll jetzt gar nicht heldenhaft klingen, wir hatten als Familie trotzdem einen schönen Tag.
Der Vatertag wäre also relativ spurlos an mir vorbeigegangen, wenn ich nicht über einige bemerkenswerte Instagram-Videos gestolpert wäre. Darin wurde kritisiert, wie schlecht manche Väter sind. Oder was gute Väter ausmacht. Die Quintessenz all dieser Beiträge war, dass ein guter Vater die Schuhgröße seiner Kinder offenbar im Schlaf auswendig kennt.
Und was soll ich sagen? Wenn Sie mich nachts wecken und mich nach der Schuhgröße meiner Kinder fragen, weiß ich es nicht. Auch nicht, wenn ich vollkommen wach bin. Wenn ich es wissen muss, schaue ich einfach nach. Wenn ich merke, dass die Schuhe zu klein sind, kaufe ich größere. Ich weiß auch nicht auswendig, wie die Kinderzahnärztin heißt. Auch das kann ich relativ leicht herausfinden, zumal ich schon mehrmals dort war. Ich glaube auch nicht, dass solches Wissen einen guten Vater ausmacht.
Natürlich wollen diese kritischen Posts auch nicht darauf hinaus, dass das Wissen um spezifische Kleidungsgrößen obligatorisch für eine gute Vaterschaft ist. Sie prangern Väter an, die sich nicht (ausreichend) an der Kindererziehung beteiligen, Aufgaben kategorisch ausschließen, weil sie sich nicht zuständig fühlen oder weil sie etwas "nicht können". Das nennt man in Fachkreisen übrigens "strategische Inkompetenz". Den Kritiker*innen geht es offenbar auch darum, dass die "Mental Load", also alles, was Eltern an Aufgaben und Terminen im Kopf behalten müssen, fairer verteilt wird.
Und jetzt mache ich mich mal unbeliebt: Wir müssen auch die Rolle der Mutter und ihr Selbstverständnis betrachten. Denn selbst moderne Mums sehen sich häufig als unangefochtene und natürliche Autorität und Kompetenz in Sachen Kindererziehung. Viele Mütter werden jetzt sagen, dass sie gar nicht anders können, denn wenn sie ihrem Mann das Einkleiden der Kinder und das Wäschewaschen überlassen würden, würde ja gar nichts mehr funktionieren. Und schon zementieren wir wieder Geschlechterrollen. Ich beobachte viel zu oft Mütter, die einerseits ständig jammern, dass ihr Partner sie im Haushalt und bei der Kindererziehung alleine lässt, und die andererseits immer alles besser wissen wollen.
Solche Aussagen sind übrigens auch die beste Steilvorlage, um strategische Inkompetenz gegenseitig einzuüben: Du kannst das nicht! - Ach wirklich? Dann wird wohl was dran sein. Und schon kann man sich hinter der eigenen Unfähigkeit verstecken und muss nie wieder mit anpacken.
Ironischerweise dürften auch einige Mütter darunterfallen, die ihren Kindern bei jeder Gelegenheit sagen, wie toll sie sind und was sie alles können, wenn sie sich nur ein bisschen anstrengen. Ich habe schon beobachtet, wie engagierte Väter in meinem Umfeld von ihren Partnerinnen kleingemacht, belächelt oder vor anderen Augen runtergeputzt wurden, weil sie irgendetwas nicht perfekt gemacht haben - oder weil sie die Schuhgröße nicht wussten.
Das Bild des modernen Vaters ist noch im Entstehen
Den meisten Vätern liegt sehr daran, dass es dem Nachwuchs gut geht und dass zu Hause alles rundläuft. Sicherlich haben viele Papas im Vergleich zu den meisten Mamas Nachholbedarf. Aber die Überheblichkeit, mit der manche Mütter auf Väter schauen, hilft niemandem weiter. Das frustriert Väter, die überhaupt erst noch in diese Rolle finden müssen. Es gibt schließlich keine jahrhundertelange Tradition an Vorbildern und gesellschaftlichen Erwartungen, an denen man sich konkret orientieren kann.
Das Bild des modernen Vaters ist noch im Entstehen. In dieser Hinsicht wäre ein wenig Nachsicht oder auch einfach nur gegenseitiger Respekt schön. Wer Augenhöhe verlangt, sollte sie auch selbst einnehmen. Es hilft nicht, wenn die Mutter den Königsweg vorgibt und die Väter sich nur daran zu orientieren haben. Meine Frau und ich machen manche Dinge einfach unterschiedlich (zum Beispiel das Zusammenlegen der Wäsche), ohne dass es einer von beiden besser oder schlechter macht. Ohnehin bringt das gegenseitige Vorrechnen von Leistungen – also wer was mehr, länger oder besser macht – nichts als Zoff und Unzufriedenheit.
Worum es mir geht: Wenn ihr, liebe Mütter, möchtet, dass die Väter selbstverständlich mit anpacken und sich genauso beteiligen wie ihr – vorausgesetzt natürlich, sie sind dazu überhaupt bereit (Augen auf bei der Partnerwahl!) –, dann solltet ihr sie auch als ebenbürtige Partner behandeln und nicht wie Schuljungen maßregeln.
Von Anfang an sollten beide alle Aufgaben ausprobieren, um Routine zu entwickeln. Wickeln, kochen, einkaufen, waschen, anziehen, Kleidung besorgen, Playdates organisieren, Geschenke kaufen, Arztbesuche übernehmen... Wenn sich am Ende Favoriten herausstellen oder Bereiche, in denen einer der beiden Elternteile wirklich talentierter ist als der andere, können die Aufgaben fest aufgeteilt werden.
Aber auch dann schadet es nicht, wenn der jeweils andere einspringen kann. Eine Einstellung à la "Das kann er halt einfach nicht", "Typisch Papa..." oder "Wenn ich ihn das machen lasse, wird es eh nichts" wird an der Misere nichts ändern. Lernt lieber, ab und zu mit dem Unperfekten zu leben – oder damit, dass es auch okay ist, wenn der Vater Dinge anders macht.







