- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
2018 sorgte die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo für einen kuriosen Gerichtsprozess: Die Spielzeugfirma Mattel hatte passend zum aktuellen Hype um die Künstlerin eine offizielle Barbie von Kahlo auf den Markt gebracht, allerdings war diese idealisiert und an das westliche Schönheitsideal angepasst. Dabei wurden auch die ausgeprägten Augenbrauen der Malerin reduziert. Das gefiel der Familie von Kahlo gar nicht, sie klagte und gewann, so dass die Barbie nicht mehr in Mexiko verkauft werden durfte.
Kahlo ist immer für Schlagzeilen gut, Ende 2025 war es wieder so weit: Ihr Gemälde "Der Traum (Das Bett)" wurde für 54,7 Millionen US-Dollar versteigert und ist damit das teuerste Bild einer Künstlerin, das je öffentlich gehandelt wurde. Für den anonymen Sammler, der das Bild zuvor besessen hatte, war der Verkauf äußerst einträglich. Er hatte das Werk 1980 für 51.000 US-Dollar erstanden, verglichen zu dem Rekordpreis entspricht das einer Preissteigerung um mehr als das Tausendfache.
Auf Kahlos Gemälde handelt es sich wortwörtlich um ein "Himmelbett", denn es schwebt gemächlich zwischen den Wolken. Wir sehen die schlafende Künstlerin, deren gelbe Decke von Weinranken überwuchert wird. Über ihr auf dem Baldachin liegt ein schematisch gemaltes Skelett mit einem Blumenstrauß in der Hand und Beinen voller Dynamitstangen – das hier ist Kunst mit Sprengkraft!
Kahlos Werke sind häufig rätselhaft und traumartig. Die Malerin selbst sagte dazu: "Sie dachten, ich war eine Surrealistin, aber ich war keine. Ich malte nie Träume. Ich malte meine eigene Realität." Tja, Pech gehabt, denn heute wird Kahlo häufig zum Surrealismus gezählt, einer Kunstströmung, der es darum ging, künstlerisch zum Unbewussten vorzudringen. Immer wieder porträtierte sich die Künstlerin im Bett, denn dieser Ort war einer ihrer Lebensmittelpunkte.
Mit 18 Jahren war sie Opfer eines Busunglücks geworden, bei dem sich eine Stahlstange in ihr Becken bohrte. Im Krankenhaus begann Kahlo zu malen, um sich die Zeit zu vertreiben. Ihr ganzes Leben lang litt sie unter den Folgen des Unfalls und verbrachte daher viel Zeit im Bett. Ihre Schmerzen thematisierte Kahlo vielfach in der Kunst, ebenso die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit. Angeblich hing bei Kahlo sogar ein Skelett aus Pappe über dem Bett. Ein Garant für süße Träume war das vermutlich nicht.
Das Bild "Der Traum (Das Bett)" entstand 1940, in diesem Jahr heiratete Kahlo den Maler Diego Rivera nach einjähriger Trennung zum zweiten Mal. Sein ganzer Name lautete übrigens Diego María de la Concepción Juan Nepomuceno Estanislao de la Rivera y Barrientos Acosta y Rodríguez – ein richtiger Traum, um sich kurz auf Partys vorzustellen. Die Ehe zwischen Kahlo und Rivera wäre ein gefundenes Fressen für jedes Klatschmagazin gewesen, denn beide hatten viele Affären. Der Beziehungsstatus lautete durchgehend: "Es ist kompliziert." Die damit einhergehende Wut, Trauer und Verzweiflung verarbeitete Kahlo wie immer in ihren Bildern.
Wer den horrenden Preis für "Der Traum (Das Bett)" zahlte, ist bis heute nicht bekannt. Vielleicht hängt das Werk mittlerweile in irgendeiner prachtvollen Villa. Das latent gruselige Bild wäre sehr praktisch fürs Gästezimmer, wenn man möchte, dass Gäste nicht allzu lange bleiben.



