Sachliches ­Selbstporträt
"Hallo, ich bin übrigens MALERIN!"
Fridel Dethleffs-Edelmann malte sich selbst 1932 ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit. Als eine der ersten Frauen hatte sie in Deutschland Kunst studiert
Ein Gemälde einer Frau, die ernst dreinschaut. Sie trägt einen Malkittel und hält die Pinsel in der Hand.
Bayrische Staatsgemäldesammlungen - Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München
Pierre Jarawan
Aktualisiert am 27.07.2026

Kunst hat viel mehr mit unserem ­Leben zu tun, als wir denken. Zum Beispiel revolutionierte die Malerei unsere Zahnhygiene, denn erst dank der Farbtube wurde die Zahnpastatube entwickelt. Kunst hilft uns ­also ­gegen Karius und Baktus!

Der Drink Bellini, die Süßigkeit ­Giotto, die Vorspeise Carpaccio – all das wurde nach Malern benannt. Der Einfluss von Kunst reicht sogar bis auf den Campingplatz, und daran hat die ­Künstlerin Fridel ­Dethleffs-Edelmann ihren Anteil. 1931 heiratete sie den Unternehmer Arist Dethleffs, der sie mitnahm auf seine Geschäftsreisen.

Die Gesellschaft ungeschönt darstellen

Da sie unterwegs malen wollte, kam er mit einer bahnbrechenden Erfindung um die Ecke: einem fahrbaren Atelier mit Schlafmöglichkeiten. Es war der erste in Deutschland gebaute Wohnwagen und der Grundstein für den Wohnwagenhersteller Dethleffs, den es bis heute gibt. Von der Kunst zum Komfortcamping ist es manchmal nur ein kurzer Weg.

Fridel Dethleffs-Edelmann war ­eine der ers­ten ­Malerinnen, die an einer Kunstakademie studierten, denn der Zugang war Frauen hierzulande bis 1919 offiziell verwehrt. Die Künstlerin guckt auf ihrem Selbstporträt ungefähr so enthusiastisch wie auf einem biometrischen Passfoto. Sie trägt einen Malkittel und hält die Pinsel in der Hand, als wollte sie sagen: "Hallo, ich bin übrigens MALERIN!"

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