Mein Gefühl der Wurzellosigkeit beginnt mit einem Nachnamen, an dem sich schon viele die Zunge brachen: Kautzky. In meiner Grundschule in einem Vorort von Frankfurt am Main fühlte ich mich damit oft ein wenig fehl am Platz.
Meine Eltern kamen kurz vor meiner Geburt aus beruflichen Gründen aus Niedersachsen, wir waren die Zugezogenen.
Mit 17 verließ ich meinen Vorort, um in Mainz zu studieren. Für ein Erasmus-Semester zog ich zwischendurch nach Frankreich, wo ich heute lebe. Zwar fühlte ich mich in Mainz heimisch, weil ich durch meine Freunde, meine WG und das Engagement in der Hochschulpolitik in eine Community eingebunden war. Dennoch konnte ich dort nicht für immer bleiben. Der Gedanke löste in mir Beklemmung aus – als würde mir jemand die Luft abschnüren.
Statistisch gesehen ziehen die Deutschen im Laufe ihres Lebens bis zu fünfmal um. Ich bin noch keine dreißig und liege bereits darüber. Der deutsche Schriftsteller Thomas Brasch schrieb einmal: "Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber wo ich bin, will ich nicht bleiben (…) Wo ich lebe, da will ich nicht sterben (…) Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin." So fühle ich mich. Irgendwie rastlos. Und eben: wurzellos. Woher kommt das? Ist das vielleicht vererbt?
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