Wer bei der Bundeswehr arbeitet (bei der Truppe würde man "dienen" sagen), kommt seinen Kameraden oft viel näher als Arbeitskollegen in ganz normalen Jobs. Soldatinnen und Soldaten robben gemeinsam durch den Schlamm, schlafen manchmal draußen unter freiem Himmel, halten gemeinsam Nachtwache. Dadurch kann eine intensive Nähe entstehen. Im Kampf müssen sich Soldaten einer Einheit blind vertrauen, es geht um Leben oder Tod. Doch was passiert, wenn aus Kameradschaft Leidenschaft oder gar Liebe wird? Kann das gutgehen? Sieben Soldatinnen und Soldaten erzählen uns anonym von ihren Erlebnissen:
Verknallt im Krankenhaus
Er: Meine große Liebe begegnete mir im Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Ich war dort wegen meiner Posttraumatischen Belastungsstörung, sie wegen psychischer Probleme. Ich war 29 und Oberstabsgefreiter, sie 23 und Stabsgefreite.
Es war frühmorgens, ich ging vor der Visite noch eine rauchen. Sie lief mir im Treppenhaus entgegen, ich sagte "Guten Morgen", aber sie ignorierte mich. "Was für eine unhöfliche Person", dachte ich beim Rauchen. Ich ging zur Morgenvisite, setzte mich zu den anderen Kameraden und wartete. Dann kam sie – und setzte sich genau neben mich. Mein Interesse war erst mal bei null.
Nach dem Mittagessen begegnete sie mir beim Rauchen. Wir kamen ins Gespräch, dabei kam raus, dass sie mich im Treppenhaus gar nicht gehört hatte, weil ihre Kopfhörer in den Ohren steckten. Wir redeten. Es wurde Abend, es wurde Nacht. Um 2 Uhr morgens verabschiedeten wir uns. Bei ihr hat es an diesem Abend gefunkt, sagte sie mir später. Sie wurde dann aus dem Krankenhaus entlassen.
Ich wollte sie wiedersehen. Wir verabredeten uns und hielten Kontakt. Aus diesem freundschaftlichen Kontakt ist später Liebe entstanden. Heute haben wir vier gemeinsame Kinder. Sie unterstützt mich, wo sie nur kann, besonders bei meiner Posttraumatischen Belastungsstörung. Ich liebe sie mehr als je zuvor.
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