Exodus der Christen aus Nahost
Die St.-Georgs-Kirche im Südlibanon nach einem israelischen Angriff, bei dem 70 Prozent der Häuser zerstört wurden.
Abdul Kader Al Bay / Zuma Press / IMAGO
Christentum
Exodus der Christen aus Nahost
Schon immer lebten Christen in Alma Al-Chaab im Südlibanon. Jetzt ist das Dorf zerstört, die Bewohner sind geflohen. Dass die Christen Nahost verlassen, liegt an Kriegen, aber auch am Extremismus in den Religionen
Foto: privat
27.04.2026
8Min

Das Leben könnte so schön sein in Alma Al-Chaab. Das kleine Dorf liegt in den mediterranen Hügeln des Südlibanons, direkt an der Grenze zu Israel, umgeben von Olivenhainen und fruchtbaren Feldern. Seit Jahrtausenden bauten die Menschen hier Gemüse und Obst an. Der Blick reicht weit zum Meer hinunter. Bei klarer Sicht sind Tyros und Sidon zu erkennen, die alten biblischen Städte an der Küste, die heute Sur und Saida heißen. Vor 2000 Jahren war hier Jesus unterwegs und predigte das Evangelium von der Liebe Gottes zu den Menschen.

In Alma Al-Chaab lebten schon immer Christen. Erst waren es vor allem maronitisch-katholische Christen, die sich auf den heiligen Maron berufen. Dann kamen Melkiten dazu, eine griechisch-katholische Gruppierung, und im 19. Jahrhundert schließlich auch evangelische Christen. Ökumenische Vielfalt ist der Normalfall im Nahen Osten. Bevor Israel und die Hisbollah im September 2024 gegeneinander in den Krieg zogen, hatte Alma Al-Chaab offiziell 750 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Sommer konnten es auch mal über 1200 sein, wenn Angehörige aus Beirut oder dem Ausland kamen, um die Schönheit und Ruhe ihrer Heimat zu genießen.

Doch diesen Sommer wird es nicht so sein. Auch letzten Sommer kamen sie nicht. Und vielleicht wird nie wieder jemand kommen. Denn Alma Al-Chaab liegt in Trümmern. Im September 2024 wurde das Dorf zur Kampfzone. Die Menschen flohen, wohin sie konnten. In ihren Häusern verschanzte sich die Hisbollah und machte sie so zu Zielen für israelisches Bombardement. 40 Prozent des Dorfes wurden zerstört.

Mit der Waffenruhe Ende November 2024 kamen die Ersten wieder zurück, um zu schauen, was von ihrem Dorf übrig geblieben war. Zögerlich begannen sie mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser. Finanzielle Unterstützung bekamen sie nicht. Die Hisbollah verwies auf die libanesische Regierung, und die wiederum sagte, dass sie diesen Krieg nicht wollte.

Und Israel? Was für eine Frage!? Von dieser Seite erwartet niemand Hilfe. Denn seit langem reklamiert Israel den Südlibanon als Pufferzone, um die Hisbollah besser kontrollieren zu können. Und Pufferzone bedeutet: am besten ohne Zivilisten, auf die man Rücksicht nehmen muss.

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