Manchmal rufen die Menschen mitten in der Nacht an, wenn sie auf einer Brücke oder einem Hochhaus stehen und springen wollen. Herbert Lüdtke schnappt sich dann sein Fahrrad und fährt los, um mit ihnen über ihre Sorgen zu sprechen. Seit 37 Jahren ist er Gemeindepfarrer in Steinbach, einer kleinen Stadt in der Nähe von Frankfurt.
Von hier kann man die Berge im Taunus sehen, schöne Häuschen in ländlicher Idylle unweit der Villenvororte Frankfurts. Aber auch Plattenbauten aus den 70er Jahren strecken sich in den Himmel und erinnern an die Zeit, in der hier noch viele Sozialwohnungen gebaut wurden.
Mitten in Steinbach steht Herbert Lüdtkes Gemeindehaus. Ein viereckiges Gebäude mit grauem Vorbau und Fensterfront, umrahmt von einer großen Wiese mit Kirschbaum und Kastanie. Direkt daneben das Pfarrhaus, in dem Lüdtke mit seiner Frau und seiner Stieftochter lebt.
Gerade steht er vor der Glastür des Gemeindehauses, streicht sich sein lockiges Haar aus der Stirn und schüttelt die Hände von Besuchern. Er trägt einen V-Pullover, darunter ein Kollarhemd und Nike-Schuhe. Heute steht ein Grüne-Soße-Essen an, passend zum Gründonnerstag.
Lüdtke ist einer, mit dem man gerne spricht. Einer, der zustimmend "Ahhh jaaa" sagt im Frankfurter Dialekt und immer einen kleinen Lacher an der richtigen Stelle parat hat. Einer, der immer in Bewegung ist, Stühle verräumt, Obstsalat verstaut, hier Hallo sagt und gleich schon wieder unterwegs ist. Seine 66 Jahre merkt man ihm nicht an.
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