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Schön ist es hier: ein heller, lichter Café-Raum mit Empore; mit Stühlen, Lampen, Treppengeländer, Bartresen, Büchern und Zeitschriften zum Lesen.
Draußen eine großzügige Straßenterrasse, kleine Speisen, guter Kaffee. Alles bei normalem Preisniveau, mitten in München, im Gärtnerplatzviertel. Zentral gelegen und, wie fast überall im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt, auf extrem überteuertem Baugrund stehend.
Doch das "Bellevue di Monaco" ist viel mehr als nur ein hippes Café in stilechter Nachkriegs-Architektur und -Ausstattung. Das Haus ist Beweis dafür, was möglich ist, wenn engagierte Menschen sich zusammentun und machen, statt nur zu reden.
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Die Geschichte vom "Bellevue di Monaco" (der Name wurde gewählt, weil es sich anhört wie ein Protz-Resort) begann in den Jahren 2014/2015. Immer mehr Geflüchtete kamen nach Bayern, strandeten an der Isar. Wie in vielen anderen Städten wurden sie möglichst schnell untergebracht, in Container-Dörfern am Stadtrand, in leerstehenden Baumärkten oder anderen Gebäuden. Hauptsache ein Dach über dem Kopf, besser als auf der Straße zu schlafen ist es allemal.
Ein paar Menschen in München fragten sich: Geht da nicht mehr? Immerhin verfielen und verfallen auf städtischem Grund viele Häuser mitten im Zentrum - warum nicht eines dieser Häuser für Flüchtlingsunterkünfte nutzen, anstatt, wie sonst üblich, abzureißen und meistbietend an einen Investor für Eigentumswohnungen zu verhökern?
Es gibt ein Video auf Youtube, das zeigt, wie im Rahmen einer Guerilla-Aktion eine Wohnung im damals angeblich abrissreifen Wohnhaus an der Müllerstraße 2-6 beispielhaft instand gesetzt wurde.
Anfang 2016 gründete sich eine Sozialgenossenschaft, die Stadt vergab das Grundstück in Erbpacht und seit 2018 gibt es nicht nur das Café, sondern in fünf Stockwerken darüber und in zwei angrenzenden Gebäuden Wohnungen für über 40 Geflüchtete (junge Erwachsene und Familien), Veranstaltungsräume, Büros für Verwaltung und Organisation und einen Sportplatz auf dem Dach.
Über 800 Mitglieder hat die Sozialgenossenschaft mittlerweile, erzählt Stephan Dünnwald vom Vorstand. Das bedeutet aber eben auch enorme Verwaltungsarbeit. Es gibt Finanz- und andere Kooperationspartner, städtische wie private; es gibt die Sozialpartner, die für die Vermietung der Wohnungen zuständig sind. Und es gibt über 500 ehrenamtlich Engagierte, darunter gut 150 Geflüchtete, die zum Beispiel kostenlose Beratung für geflüchtete Frauen oder Bewerbungshilfen für jungen Erwachsene anbieten. So was muss organisiert und kuratiert werden, und natürlich gibt es neben der Freude über das Engagement vieler Menschen immer wieder auch Probleme. Der Belag vom genial gestalteten Sportplatz oben auf dem Dach löst sich auf, und sowieso platzt die Gebäude aus allen Nähten.
Wegen Corona und Personalproblemen rutschte das Café - im Besitz der Genossenschaft, die dringend auf einen Gewinn aus dem Betrieb angewiesen ist - in Existenznöte. Jetzt läuft es besser, erzählt Stephan Dünnwald, aber es war eine harte Zeit.
Als das "Bellevue di Monaco" letztes Jahr mit einer großen Party zehn Jahre alt wurde, kamen die Honoratioren der Stadt, auch der Oberbürgermeister. Viele Offizielle, aus Verwaltung und Politik, schmücken sich mit dem Leuchtturmprojekt. Die Genossenschaft freut sich: "Hauptsache, sie kommen alle", sagt Stephan Dünnwald.
Und noch eine gute Nachricht: Die Genossenschaft expandiert. Gerade hat sie den Zuschlag für den Betrieb eines weiteren Kulturzentrums bekommen, des Bürgerhauses Seidel in Schwabing. Noch so eine Mammutaufgabe, denn das Haus aus dem Baujahr 1905 im Stil der deutschen Renaissance ist nicht nur eine Institution in München; es ist auch ein riesiges Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, und, obwohl einst als Wohnhaus geplant, als Kultur-Einrichtung fest im Stadtteil verankert ist. Stephan Dünnwald und seine Mitstreiter*innen wollen ihre Erfahrungen nun auch hier einbringen. "Wir alle", so fasst es Stephan Dünnwald zusammen, "brauchen genau solche Orte - heute mehr denn je."
