Ein Junge mit braunen Locken steigt am Heck des Bootes die Stufen hinauf; er trägt Badehose und Schwimmbrille. Weit hinter ihm auf dem Meer ist ein großes weißes Boot zu sehen
Was könnte man mit so einer Jacht wohl alles erleben? (Symbolbild)
Melanie Acevedo / Getty Images
Moral oder Liebe?
Was Superjachten mit Liebe zu tun haben
Jeder wünscht sich wahrscheinlich, dass die eigenen Kinder glücklich sind. Doch was ist Glück? Materieller Reichtum? Ein guter Mensch sein? Und hätte meine Vaterliebe Grenzen?
Lena Uphoff
06.08.2026
3Min

Was ist eigentlich wichtiger im Leben: Glücklich zu sein oder ein guter Mensch zu sein? Sicher, beides zusammen wäre am besten. Nur ist das bekanntlich nicht so leicht in Deckung zu bringen. Das fiel mir gerade im Urlaub wieder besonders auf. Wir schauten von unserer sehr schönen Terrasse auf eine noch schönere Bucht und dort lagen etliche Luxusjachten vor Anker. Uns ging es sowieso schon sehr gut, und es gab eigentlich keinen Grund jetzt auch noch eine Jacht zu wollen. Nur sah das Leben auf diesen Jachten von der Terrasse so verlockend schön aus. Das fanden auch die Kinder und waren ganz fasziniert von den Booten.

Lesetipp: Wie schaffe ich es, ein guter Mensch zu sein?

Eine ihrer liebsten Urlaubsbeschäftigungen wurde es, in einer der vielen Schiffs-Tracking-Apps, die man sich kostenlos aufs Smartphone laden kann, zu schauen, was für Boote dort vor uns liegen. Wie lang ist die Jacht? Hat sie einen Pool? Einen Basketballplatz? Wie viele Passagiere finden an Bord Platz und wie teuer war sie? Die Kinder träumten von eigenen Jachten und fantasierten, was sie alles für Spezialfeatures haben sollten.

Nun war das natürlich ein harmloses Urlaubsvergnügen, und zum Glück braucht man keine Jacht, um glücklich zu sein. Doch dass ein Urlaub auf einem dieser Boote das Potenzial für ein paar Tage Glück bietet, ist auch nicht von der Hand zu weisen.

Auf der anderen Seite ist es nicht schwer, eigentlich alles an diesen Jachten moralisch schlecht zu finden. Sie verbrennen Unmengen an klimaschädlichem Kraftstoff, sie sind protzig und angeberisch, und wenn man etwas länger recherchiert, findet man schnell heraus, dass die tollsten unter ihnen entweder zwielichtigen Thronfolgern, russischen Oligarchen oder irgendwelchen Waffenhändlern und Casinobesitzern gehören.

Diese Erkenntnis hätte also Anlass für eine Aufklärungsrede in Richtung der Kinder sein können: Nein, diese Dinger machen nicht glücklich. Denn sie sind schlecht! Wir sollten sie auch nicht bestaunen und die Besitzer nicht bewundern. Das sind mindestens Idioten und vielleicht sogar Verbrecher.

Nun, ich habe das alles nicht gesagt, sondern mitgestaunt und mitfantasiert. Einerseits ist das alles natürlich unwichtig, es ist eine Träumerei ohne praktische Konsequenz. Andererseits stehen diese Superjachten ja wirklich für fast alles, was diese Welt zu so einem fragwürdigen Vergnügen macht.

Wieder zuhause, frage ich mich: Was wäre, wenn meine Kinder sich ihren Urlaubstraum erfüllen würden und eines Tages wirklich so eine Jacht besäßen? Ich sehe sie vor mir auf einem der Boote, in der Bucht, auf die wir im Urlaub geblickt haben, an einer großen Tafel und alle lachen. Vielleicht sitze ich als alter Mann irgendwo am Rand der Tafel und schaue ihnen zu. Würde ich mich für sie freuen? Dass sie so ein schönes Leben haben?

So lange ich auch in mir suche, ich finde kein Nein. Wenn sie glücklich wären, wirklich glücklich, würde mich das auch glücklich machen. Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, dass sie auf moralisch gutem Wege zu Jachtbesitzern geworden wären. Das bringt mich wieder zur Ausgangsfrage zurück: Was ist eigentlich wichtiger: gut sein oder glücklich sein?

Ich weiß keine klare Antwort, kann mir aber das eine (Glück) nicht ohne das andere (zumindest den Versuch, gut zu sein) vorstellen. Anders sieht es aus mit den Menschen, die ich liebe. Ich liebe sie ja nicht, weil sie so gut sind. Was wäre das für eine Liebe. Ich liebe sie einfach so und wünsche mir, dass es ihnen gut geht. Moral hin oder her.

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Kolumne

Michael Güthlein
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Konstantin Sacher

Michael Güthlein und Konstantin Sacher sind Väter: zwei (Säugling, 3) und drei Kinder (7, 10, 12). Beide erzählen über ihr Rollenverständnis und ihre Abenteuer zwischen Kinderkrabbeln und Elternabend, zwischen Beikost und Ferienlager. Sie schreiben im Wechsel.