chrismon: Frau Jost, Herr Mann, Ihr Sohn ist heute Ende 20. Er war sehr jung, als er anfing, Drogen zu nehmen. Wie haben Sie anfangs versucht, zu helfen und dem entgegenzuwirken?
Claudia Jost*: Tom ist unser Jüngster und war schon als Kind besonders, brauchte mehr Aufmerksamkeit als unsere anderen fünf Kinder. Innerhalb seiner Schullaufbahn wechselte er mehrmals die Schule. Wir holten uns mehrmals Hilfe, auch psychologische, und Intelligenztests ließen wir durchführen, er machte eine Kunsttherapie, wir nahmen ihn einmal für ein Praktikum bei einem Tierarzt aus der Schule, da er sehr viel schwänzte. Aber zurück in der Schule schwänzte er wieder ständig und wir begriffen, dass wir kaum noch mitbekamen, was er eigentlich tat. Einige Male brachte die Polizei ihn nach Hause, da er in verschiedene kriminelle Machenschaften verwickelt war – Diebstahl und so weiter.
Peter Mann*: Je älter Tom wurde, desto problematischer wurde die Situation – in der Schule und in der Familie. Wir versuchten alles, um auch in dieser Zeit als Eltern für unsere Kinder da sein zu können. Aber Tom ließ uns schließlich gar nicht mehr an sich ran. Als wir ihn schließlich dazu bringen wollten, in eine Entzugsklinik zu gehen, weigerte er sich.
Sie müssen sich sehr hilflos gefühlt haben.
Claudia Jost: Und wie. Wir wandten uns an das Jugendamt – wir haben uns nicht eingebildet, dass wir alleine mit dieser Situation fertigwerden können. Wir wollten ihn zwangsweise in eine Jugendeinrichtung zur Entgiftung einweisen lassen. Doch das Amt meinte, wir würden ja alles richtig machen. Wenn er nicht in eine Klinik gehen wollen würde, könne man nichts tun. Damals fühlte ich mich im Stich gelassen. Heute weiß ich: Wenn die Person selbst nicht bereit ist, Hilfe anzunehmen, hat man keine Chance.
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