Emotionshistoriker Rob Boddice
Warum haben Menschen im Mittelalter anders gefühlt?
Finnen fühlen anders als Deutsche und Menschen heute anders als vor 500 Jahren. Emotionshistoriker Rob Boddice weiß, wie und warum sich Gefühle über die Jahrhunderte hinweg verändert haben
Ein Bild einer Frau aus dem Mittelater, das mit einem Porträt einer Frau von heute verblendet ist
Es ist harte Arbeit, zu verstehen, wie Menschen im Mittelalter gefühlt haben
Market Girl by Franz Hals c. 1582-1666 / IMAGO; Goodboy Picture Company / IMAGO / [M] chrismon
Privat
01.09.2026
7Min

chrismon: Herr Boddice, fühlen die Deutschen anders als die anderen Europäerinnen und Europäer?

Rob Boddice: In gewisser Weise ja, natürlich. Ich glaube, die meisten Europäer*innen, einschließlich der Deutschen, haben Teile ihres Gefühlsrepertoires, die sie für einzigartig halten. Ich zweifle nicht daran, dass die Art und Weise, wie Deutsche beispielsweise Freiheit, Angst oder Geschichtsmüdigkeit empfinden, spezifisch für sie ist.

Haben Sie ein Beispiel für ein Gefühl, das wir in Deutschland nicht kennen?

In Finnland gibt es "Sisu". Es ist ein Gefühl und eine Charaktereigenschaft und hängt mit der Natur und Geografie Finnlands zusammen. Wenn es mal schwierig wird, beißen sie sich fest, zeigen Durchhaltevermögen und sind widerstandsfähig. Aber keines dieser Wörter trifft es ganz. Finn*innen fällt es schwer, "Sisu" zu definieren, aber sie merken, wenn sie es erleben. Für mich als Briten ist dieses Gefühl nicht zugänglich. Ich kann nur abstrakt darüber nachdenken.

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