Ich bin früh gegangen. Nicht aus Trotz, nicht aus Rebellion – sondern aus Notwendigkeit. Ich wusste, wenn ich bleibe, verliere ich mich. Also bin ich geflohen. Mit 17 bin ich gegangen, obwohl ich bleiben wollte.
Jahrelang hatte ich Heimweh nach einem Ort, den es nicht gab. Mein größter Wunsch: dass alles anders gewesen wäre. Ich sehnte mich nach einer Mutter, die mich sieht, nach einem Zuhause, das mich hält. Aber ich wusste: Wenn ich zurückgehe, wartet nicht Geborgenheit – dort warten Sucht und Chaos.
Ich bin die Tochter einer Alkoholikerin. Und ich bin frei. Nicht, weil es leicht war, sondern weil ich mich dazu entschieden habe. Weil ich verstanden habe: Ich darf wählen. Gefangen oder frei, schwach oder stark, funktionieren oder fühlen, ertragen oder verändern.
Diese Entscheidung war nicht laut. Sie war ein Flüstern, ein inneres Zittern, ein Schritt ins Ungewisse. Aber sie war meine. Seither ist eines für mich klar. Freiheit beginnt nicht mit perfekten Umständen. Sie beginnt mit einem Entschluss. Mit Mut und Verantwortung. Ich bin nicht das Chaos, aus dem ich komme. Ich bin die Klarheit und Selbstbestimmung, die daraus entstanden ist.
Die Sucht war nicht nur Konsum
Meine Mutter ist süchtig. Nicht gelegentlich. Nicht heimlich. Sondern sichtbar, laut und systematisch. Kein Ausrutscher. Kein "schlechter Tag". Sondern Alltag, Routine. Flaschen und Gläser wurden versteckt – hinter Kochbüchern, im Kleiderschrank, zwischen Putzmitteln, manchmal im Gartenhaus. Gespräche wurden kürzer. Ausreden länger.
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