Ich erinnere mich noch gut an diesen Abend. Ich lag wach im Bett, konnte nicht einschlafen. In der Schule war ich wieder mal gehänselt worden. Es gab Tage, an denen ich mich mit flauem Magen in die Schule quälte. So betete und flehte ich an diesem Abend um Kraft für den nächsten Tag. Und mit einem Mal breitete sich eine Wärme in meinem ganzen Körper aus. Es war, als würde mich jemand mit einer weichen Kuscheldecke zudecken. In diesem Moment war alles gut, meine Sorgen verschwunden, ich fühlte mich von Gottes Liebe erfüllt und wusste, dass er bei mir ist.
Das war das erste und jahrelang letzte Mal, dass ich Gottes Gegenwart derart erlebt habe. Seither ist mein Glauben geprägt von einer Sehnsucht. Ich sehne mich nach Gottes Nähe, danach ihn zu erfahren. Ich vermisse ihn, ich suche ihn – und finde ihn doch nur in flüchtigen Momenten.
Um das zu verstehen, muss man wissen, dass ich in einer Freikirche aufgewachsen bin. Gott war die Realität schlechthin. Ohne Gott war alles nichts. Der Tag begann mit Bibellesen und hörte mit Gebet auf. Wenn ich von Gott fern war, dann hatte ich ein Problem. Und auch wenn ich nicht mehr den Glauben von damals habe, die Sehnsucht ist geblieben.
In den vergangenen Jahren gab es Zeiten, da war ich nicht sicher, ob mein Glaube überleben würde. Ich erinnere mich an unzählige Abende, an denen ich verzweifelt auf dem rauen Teppichboden meines Wohnheimzimmers lag und weinte. Zu unerträglich war die Ferne Gottes. Ich fühlte mich heimatlos und verloren.
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