Ukraine
Der Soundtrack zum Krieg
Kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 verlässt der damals 17-jährige Sänger SadSvit sein Heimatland. Doch seine Musik bleibt dort – und wird zum Symbol des Widerstands
Bohdan Roswadowskyj, Künstlername SadSvit, auf der Bühne mit ausgebreiteten Armen in blauem Scheinwerferlicht
Mit Musik gegen die Eroberer: Der 22-jährige Bohdan Roswadowskyj, Künstlername SadSvit
Johanna Maria Fritz / Ostkreuz für chrismon
21.10.2026
8Min

Mit großen Schritten betritt Bohdan Roswadowskyj das Restaurant im Podil, einem der angesagtesten Viertel Kyjiws, und schlägt sogleich vor, zum Gespräch auf die Terrasse zu gehen. Sein langes, schwarzes Haar umrahmt ein Gesicht, auf dem noch leichte Spuren von Akne zu erkennen sind. Er dreht sich eine Zigarette und fragt höflich, ob er rauchen dürfe.

Bohdan ist im Sommer 2026 gerade einmal 22 Jahre alt, doch unter seinem Künstlernamen SadSvit erreicht er monatlich fast eine halbe Million Hörer auf Spotify und 1,27 Millionen auf Youtube Music. Seine bekanntesten Songs sind millionenfach gestreamt worden. Und erst jetzt, während seiner Tour durch die Ukraine nach vier Jahren Exil, beginnt der Sänger wirklich zu begreifen, wie populär seine Musik inzwischen geworden ist.

"Auf dem Weg von Saporischschja und Dnipro haben wir eine Pause eingelegt und unsere beiden Tourbusse an einer Tankstelle geparkt. Dort standen auch vier große Lastwagen mit Baumstämmen für den Bau von Befestigungsanlagen. Ein Soldat, ein kleiner Mann von etwa 38 Jahren, der aussah wie ein Teddybär, fragte unseren Fahrer: Welcher Künstler ist das? Und als der antwortete: SadSvit – der Musiker, der ‚Cassette‘ geschrieben hat, wollte der Soldat sofort ein gemeinsames Selfie machen."

"Cassette" war Bohdans erstes Album. Er hatte es im Dezember 2021 aufgenommen und auf Youtube veröffentlicht. Im Januar 2022 lieh er sich das Tonbandgerät seines Vaters, überspielte das Album auf klassische Musikkassetten und verkaufte sie selbst. Zu diesem Zeitpunkt hatte er nur eine kleine lokale Fangemeinde. Kaum jemand kannte den jungen Musiker, bis ein Soldat des ukrainischen Asow-Regiments mit dem Kampfnamen "Frost" dessen Musik entdeckte.

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