Jeden Donnerstag treffe ich immer dieselbe Gruppe von acht Frauen. "Heute treffe ich wieder meine Freundinnen", sage ich dann zu meiner WG. Auf die Frage, was wir machen, antworte ich mit dem Essen, das wir kochen: Raclette, Waffeln, Pizza. Was ich verschweige, ist, dass wir uns aus unserer Kirchengemeinde kennen und dass wir uns vor allem treffen, um über unseren Glauben zu sprechen.
Selbst gegenüber Freundinnen und Freunden, die mich schon länger kennen, erwähne ich nicht, dass wir beten und in der Bibel lesen. Anfangs sagte ich, dass es sich um eine christliche Gruppe handele, über die ich mal einen Text geschrieben und der ich versprochen habe wiederzukommen. Ich kann halt nicht Nein sagen, klar. Mittlerweile sage ich, dass ich "zu meinen christlichen Girls" gehe – mit etwas Spott in der Stimme. Falls sie mich verurteilen wollten, käme ich ihnen zumindest zuvor.
Natürlich verurteilt mich keiner von ihnen und doch hält etwas mich davon ab, die Wahrheit zu sagen: Ich schäme mich für meinen Glauben. Ich habe in meinem Leben deutlich häufiger "Ich bin nicht so christlich" gesagt als "Ich bin Christin". Manchmal verleugne ich meinen Glauben sogar komplett. Und dann stehe ich da wie Petrus, dem nach dem Hahnenschrei bewusst wird, dass er seinen Freund Jesus verleugnet hat. Warum ist etwas, das schon mein ganzes Leben lang zu mir gehört, so schambehaftet?
Seit ich denken kann, glaube ich an einen christlichen Gott. Meine Eltern sind beide in einer evangelischen Gemeinde aktiv. Wir besuchten häufig Gottesdienste und beteten jeden Abend vor dem Schlafengehen. Schon immer hatte ich das Gefühl, Trauer, Hoffnung und Dankbarkeit mit meinem Gott teilen zu können. Bis zur Grundschule dachte ich, das sei normal und alle seien gläubig. Im Montagskreis in der Grundschule erzählte ich noch ganz selbstverständlich vom Sonntagsgottesdienst und der christlichen Kinderbetreuung.
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Scham ist Teil unserer "Maske", nicht unser wahres ICH
Glaube ist etwas sehr Intimes zwischen Gott und jedem Einzelnen. Scham sorgt zunächst dafür, dass wir uns nicht sofort als Christ outen und das ist völlig in Ordnung. Nicht jeder ist extravertiert! In christlichen Lebensgemeinschaften ist man unter seinesgleichen und folgt dem gleichen Ritus. Da ist kein Platz für die Scham. Erst wenn wir direkt nach unserem Glauben gefragt werden oder uns bei Jesu Abendmahl zu ihm bekennen, meldet sich die Scham bisweilen wieder. Scham zeigt aber leider, dass wir unserer Sache mit Gott nicht ganz sicher sind ... also lasst eure Scham sausen!! Unser Schöpfer will uns so wie wir wirklich sind.
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