26-06-26. Ein markantes Datum, um zu heiraten. Noch dazu im Sommer, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass die Sonne lacht und der Himmel sich weit spannt über dem Paar, das sich das Jawort gibt. Aus diesem Grund lädt die Evangelische Kirche am 26. Juni zu "einfach heiraten" ein. In vielen Städten und Orten können Paare einfach kommen, sich kirchlich trauen und ihre Beziehung segnen lassen. Mit oder ohne Anmeldung, kostenfrei, unkompliziert.
Die Kirchen sorgen für einen festlichen Rahmen, für Musik und Blumen, für Sekt zum Anstoßen danach – mit oder ohne Alkohol. Ein Angebot für alle, die spontan sind oder kein großes Brimborium möchten, sondern "einfach heiraten" wollen.
Warum überhaupt kirchlich heiraten? Für meinen Mann und mich wäre ein Jawort ohne Segen nicht infrage gekommen. Wir haben unsere Hochzeit groß gefeiert. Unsere kirchliche Trauung fand unter einem Mammutbaum mit Aussicht auf den Rhein statt. Der Altar war ein Tisch mit einem Kreuz aus Blumen und einer Bibel darauf. Die Stühle auf dem Rasen waren mit weißen Hussen überzogen. Unsere Hochzeitsanzüge waren farblich abgestimmt, der eine himmelblau, der andere fliederfarben, dazu weiße Hüte. Auch die Gäste kamen gut behütet: weit ausladende Sommerhüte, Fascinators, Panamas, Turbane. Selbst unsere Hundedame trug einen Blumenkranz um den Hals.
Man könnte sagen: kitschig. Da feiern sich zwei selbst und das mit einem Fest, das seinesgleichen sucht. Aber schon die ersten Sätze unseres Traupfarrers machten klar, worum es ging. Er sprach von der Freude, dass wir einander gefunden haben. Davon, dass Freude ein Geschenk ist, denn wir verdanken unser Leben nicht uns selbst. Er sprach von unserem Wunsch nach Segen für unsere Verbindung.
Die Liebe und das Leben feiern. Und wissen: Nichts ist selbstverständlich. Darum geht es für viele Paare bei einer kirchlichen Trauung. Ein Paar wird gestärkt für den gemeinsamen Weg. Es bekommt Gottes Segen zugesprochen. Und die versammelten Menschen beten für die beiden.
Wofür braucht es den Segen? Eine Ehe gelingt oder scheitert mit und ohne Segen. Segen gibt keine Garantie dafür, dass die Gesegneten fortan nur noch auf der Sonnenseite des Lebens unterwegs sind. Keine Ehe, keine Beziehung, weder hetero noch queer, ist perfekt. Die Bitte um Gottes Segen bedeutet: Es hängt nicht alles allein von mir und von uns ab. Unsere Kraft zu lieben ist begrenzt. Aber es gibt Gottes Kraft, auf die Liebende vertrauen dürfen. Das kann Wege öffnen, seien es getrennte, seien es von neuem gemeinsame.
Das ist die Stärke des Eheversprechens in der Kirche: "Ja, mit Gottes Hilfe." Das drückt aus: Ich will mein Bestes geben für dich, für uns. Aber ich weiß: Auch mein Bestes reicht manchmal nicht. Ich suche nach dem und halte mich an das, was uns hilft, damit unsere Beziehung, unsere Ehe gelingt. Damit wir glücklich werden. Darum: mit Gottes Hilfe.
Was hat die Kirche zu bieten? Gottes Segen!
Und darum heißt es Trauung. Das Wort kommt von Treue, Vertrauen schenken, sich trauen. Das tun zwei, wenn sie einander das Jawort geben vor der versammelten Gemeinde und vor Gott: Sie wagen etwas. Sie lassen sich aufeinander ein. Und wissen, dass sie dafür Ermutigung brauchen. Von den Menschen, die sie umgeben. Von Gott, wie immer sie ihn nennen und erfahren.
Die Kirche hat kein Monopol auf Segen. Sie besitzt ihn nicht. Sie verwaltet ihn nicht. Eine Traumhochzeit kann man auch ohne Kirche feiern. Standesbeamte leiern längst nicht mehr einfach den Wortlaut der Eheurkunde herunter. Sie gestalten die Eheschließung oft persönlich. Das Eheversprechen, das Anstecken der Ringe, der Kuss, der Applaus – das gibt es auch auf dem Standesamt und es ist oft sehr bewegend. Zudem gibt es exzellente Traurednerinnen und -redner, die mit Feingefühl und Können Zeremonien für das jeweilige Paar entwerfen.
Was die Kirche bieten kann, sind Räume, Worte und Gesten, durch die Menschen Gottes Segen erfahren können. Für Paare, die sich etwas wünschen, das sie auf der Schwelle zur Ehe stärkt, kann das bedeutsam sein. Eine kirchliche Trauung drückt die Anerkennung aus, die die versammelte Hochzeitsgesellschaft diesen zwei Menschen erweist.
Pfarrer trauen auch am Strand oder im Wald
Ein berührender Moment ist der Einzug in die Kirche: Ob die Braut mit ihrem Vater hereinkommt oder das Paar zu zweit, alle stehen auf und zeigen damit: Wir ehren euch. Wir ehren eure Liebe, was ihr euch aufgebaut habt und miteinander lebt. Wir begleiten euch mit unseren Wünschen und Gebeten. Und wir bitten, dass Gott euer Miteinander segnet. Beim Hochzeitseinzug habe ich oft eine Träne im Knopfloch.
Trauungen gehören zu meinen liebsten Aufgaben als Pfarrer. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer hören danach von Hochzeitsgästen: "Es war so schön, so persönlich. Aber das lag sicher daran, dass Sie das Hochzeitspaar kennen." Dahinter steht oft die Vorstellung, kirchliche Trauungen müssten strengen Vorgaben folgen. Tatsächlich richtet sich die Pfarrerin oder der Pfarrer danach, was ein Paar sich wünscht.
Es gibt meistens zwei bis drei Vorgespräche, bei denen die beiden sagen, was ihnen wichtig ist, was ihre Liebesgeschichte ausmacht und was davon im Gottesdienst vorkommen soll. Ich stelle in den Traugesprächen meist drei Fragen, die ich bei einer Freundin, ebenfalls Pfarrerin, gelernt habe: Was liebt ihr aneinander? Was nervt euch aneinander? Was bedeutet Segen für euch?
Jede kirchliche Trauung ist ein Unikat. Sie kann klassisch in einer Kirche stattfinden, die das Paar schön findet. Meine erste Trauung als angehender Pfarrer war in einem Burggraben in Niederbayern. Später habe ich ein Paar getraut, bei dem der Bräutigam seit seiner Jugend davon geträumt hat, seine Liebste vor einer Bergkapelle mit Blick auf den Chiemsee zu heiraten. So haben wir das gemacht – auch wenn es just an diesem Tag in Strömen geschüttet hat und die ganze Hochzeitsgesellschaft in ihren Festgewändern durchnässt, aber fröhlich in der Kapelle saß. Gesungen haben wir ein Lied über Gott, "der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet".
Pfarrerinnen und Pfarrer trauen Paare in der Dorfkirche genauso gern wie am Strand oder im Wald. Mit großer Hochzeitsgesellschaft oder im kleinen Kreis. Ob lange geplant oder spontan bei "einfach heiraten". Im Mittelpunkt steht die Liebe zweier Menschen und ihr gemeinsames Leben – und der Wunsch, dafür Gottes Segen zu erbitten und gemeinsam zu feiern.
"Einfach heiraten" ist eine Aktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. Hier findet ihr die Kirchen, wo es am Wochenende vom 26.06.2026 überall möglich ist, spontan oder ohne große Vorbereitung zu heiraten.






