Traumjob Lokomotivführer
Samuel Falkner, Quereinsteiger bei der DB Regio, am Bahnhof Murnau am Staffelsee
Sandra Singh
Berufswechsel
Umsteigen, bitte: Traumjob Lokomotivführer
Ruhe im Führerstand statt Stress beim Programmieren: Samuel Falkner liebt seinen neuen Job bei der Bahn. Doch ab und zu kann es auch gefährlich werden
Tim Wegner
16.03.2026
3Min

Samuel Falkner (Jahrgang 1988):

Ich hab schon als Jugendlicher programmiert. Ich bin eher introvertiert, auch gern allein für mich. Zuletzt arbeitete ich als Softwareentwickler bei einer Firma, wir bauten Webseiten. Die Kollegen waren großartig, alle ein wenig nerdig, da habe ich mich aufgehoben gefühlt. Anfangs waren Projekt- und Teamleiter für Kundenkontakt und Organisatorisches zuständig. Das änderte sich aber schon nach kurzer Zeit.

Nach und nach wurden mir immer mehr Tätigkeiten übertragen. Ich hatte immer weniger Zeit, um zu programmieren. Dabei wollte ich am liebsten nur entwickeln. Man wird nie mit der Arbeit fertig, und irgendwas fällt immer hinten runter. Das hat mich jeden Morgen gestresst.

Meine Arbeit als Lokführer bei DB Regio ist ganz anders: Selbst wenn alles durcheinander war an einem Tag, bleibt keine Arbeit liegen, wenn ich Feierabend habe. Ich arbeite zwar im Schichtdienst, auch jedes zweite Wochenende, aber dafür habe ich in der Woche frei, dann kann meine Frau mal ganztags arbeiten, und ich kümmere mich nach der Schule um die Kinder.

Ich hatte eher zufällig erfahren, dass die Deutsche Bahn Quereinsteiger für die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer sucht – die Ausbildung ist verkürzt, und man wird auch schon im Umschulungsjahr bezahlt. Der Test in der Bewerbung war echt anspruchsvoll, da wird zum Beispiel geprüft, wie schnell man reagiert oder wie gut man mit Multitasking zurechtkommt. Dann hatte ich die Zusage. Ein Jahr lang pendelte ich jeden Tag insgesamt drei Stunden zur Ausbildung und zurück. Das Jahr ging echt auf Kosten meiner Frau.

Ich musste viel lernen, im Zug, zu Hause, aber es hat mich auch interessiert. Das erste halbe Jahr ist vor allem Theorie – zum Beispiel, welche Ersatzsignale es gibt bei einer Signal- oder Weichenstörung. Das muss zu 100 Prozent sitzen. Deswegen müssen wir auch nach der Ausbildung einmal im Jahr in den Fahrsimulator. Wer da Fehler macht, bekommt eine Nachschulung. Das ist eben nicht wie beim Führerschein: Wenn man den mal hat, darf man jahrzehntelang Auto fahren.

"Man fährt in den Sonnenaufgang, Nebel und Dunst knapp über den Schienen, traumhaft"

Samuel Falkner

Später in der Ausbildung fährt man zusammen mit einem Trainer. Man ist aber auch viel im Rangierbahnhof – die Trainer bauen Störungen ein, ziehen Sicherungen raus, damit man Störungen abarbeiten lernt. Schließlich ist man draußen in der Regel alleine. Man hat da vorn seine Ruhe. Es wird natürlich alles aufgezeichnet. Wenn ich einen Tag zu schnell fahren würde, hätte ich am nächsten Tag ein ernstes Gespräch mit dem Teamleiter.

Autofahren finde ich anstrengender. Als Lokführer kennt man seine Strecken sehr gut und weiß genau, wo gefährliche Stellen sind, zum Beispiel unbeschrankte Bahnübergänge. Selten kommt es zu Wildunfällen. Natürlich bremse ich, und diese halbe Sekunde reicht oft, dass das Tier von den Gleisen geht.

Viele Lokführer fluchen über Leute, die über die Schienen laufen. Es ist wirklich gefährlich – man kann stolpern, die Schwellen sind oft rutschig. Wir fahren im Regionalverkehr bis zu 140 Kilometer pro Stunde und haben dann einen Bremsweg von etwa 700 Metern. Aber auch Autofahrer sind häufiger ungeduldig und fahren bei Rot über den Bahnübergang – so kann es zu wirklich schlimmen Unfällen kommen.

Viele wollen am liebsten in den Fernverkehr, das wär mir zu langweilig – eine Stunde immer nur geradeaus schauen! Im Regionalverkehr hab ich im Schnitt alle fünf bis zehn Minuten eine Haltestelle, kann aufstehen, das Fenster öffnen ... Wenn ich pünktlich bin, ist die Herausforderung, möglichst energiesparend zu fahren. Ich mag es, wenn ich zwei Minuten Verspätung habe, zum Beispiel, weil alle zur selben Tür einsteigen wollten, und ich trotzdem pünktlich in München ankomme. Das sehe ich als meine Challenge. 500 Pendler kommen pünktlich zur Arbeit – ja! Ich hab noch keinen Tag bereut. Es ist genau das, was ich mir erhofft hatte.

Gerade hatte ich vier Frühschichten hintereinander. Da bereite ich den Zug um vier Uhr morgens vor, dann fahre ich zum Beispiel von München nach Mittenwald in die Berge. Man fährt in den Sonnenaufgang, Nebel und Dunst knapp über den Schienen, traumhaft.

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