Jupiterimages/Getty Images
Schenken oder behalten
Geben will gelernt sein
Meine Tochter erzählte von einem großzügigen Kind. Das brachte mich ins Nachdenken: Unser Umgang mit Geld färbt auf die Kinder ab, aber was wollen wir, dass sie lernen und wie bringen wir es ihnen bei?
Tim Wegner
13.06.2024
3Min

Unsere Kinder sind ganz unterschiedlich, was das Geldausgeben betrifft. Der eine erträgt es nicht, wenn er Schulden hat, der andere verhandelt ein Darlehen im Spielwarengeschäft, um sich noch ein Nintendospiel kaufen zu können – auch wenn er dann die nächsten vier Wochen kein Taschengeld bekommt. Ich kann diese Computerspiele ja nicht leiden, wollte es noch verhindern und habe gesagt: "Schulden haben ist kein gutes Gefühl." Aber er hatte die besseren Argumente: "Ihr habt unser Haus ja auch nicht auf einmal bezahlt." Was soll man da sagen? Meine letzte Idee war: Zinsen. Aber nicht einmal das konnte ihn abschrecken.

Kinder und Geld ist sowieso ein schwieriges Thema. Neulich erzählte unsere Tochter (6 Jahre), dass ein Kind in der Schule kein Geld mehr mitnehmen darf, um sich in der Pause etwas zu kaufen. Der Grund: Es verschenkt das Geld immer an andere Kinder und das wollten die Eltern nicht.

Ich finde es ja äußerst sympathisch, dass das Kind das Geld immer gleich verschenkt hat. Denn wer kennt nicht diese Kinder, die nur "Meins! Meins!" schreien und nicht einmal einen Apfelschnitz abgeben wollen. Dann doch lieber alles raus, zack zack. Und außerdem: Wer teilt, gewinnt – diese Grunderkenntnis wünsche ich allen Menschen in unserer Gesellschaft.

Lesen Sie hier, warum die Zeit anders vergeht, wenn man Kinder hat

Unsere Kinder haben auch schon mal Geld verschenkt, oder Turnschuhe oder Spielsachen. Allerdings waren sie damals auch noch nicht so sattelfest, was das Konzept des Schenkens betrifft. Das lief dann schon mal so: "Ich habe meiner Freundin den großen Kuscheltierhund geschenkt." Und am nächsten Tag: "Sie will mir den Hund nicht zurückgeben." Wenn der Vater dann sagt: "Geschenkt, geschenkt und wieder holen ist so gut wie gestohlen", dann ist das nicht hilfreich. Ja, ich habe es trotzdem mal gemacht – kann also aus erster Hand berichten: besser nicht. Da hilft nur, mit dem anderen Kind zu verhandeln und vielleicht ein weiteres Kuscheltier als Verhandlungsmasse in einem geheimen Elternschrank zu haben.

Was haben biologische Fakten mit der Art des Erziehens zu tun?

Es ist also nicht so einfach hier den richtigen Weg zu finden: Teilen lernen, ohne sich mit dem Teilen selbst zu überfordern und es dann später zu bereuen. Das ging dem Kind mit dem Geld in der Schule ja wahrscheinlich auch nicht anders. Als es dann Hunger bekam und sich ein Rosinenbrötchen am Kiosk kaufen wollte, aber kein Geld mehr hatte. Ich stelle mir vor, dass das Kind dann aus der Schule kam und sagte: "Ich habe Hunger." Die Eltern fragten dann wahrscheinlich: "Warum hast du nichts gekauft?" "Ich hatte kein Geld." "Aber wir haben dir doch was mitgegeben." "Das habe ich verschenkt." Usw. Die Eltern werden dann wohl ein bisschen geschimpft haben. Bestimmt sind sie aber beim nächsten Bäcker stehen geblieben und haben dem Kind zum Trost ein Rosinenbrötchen gekauft. Ob das nun wieder die richtige Botschaft ist: Wenn du Geld verschenkst, kommt es von einer anderen Seite wieder zurück?

Was also tun, um dem Kind den richtigen Umgang mit Geld beizubringen? Es ist vielleicht wie mit anderen Dingen auch: Es gibt nicht den einen richtigen Umgang. Es hängt ja auch von den persönlichen Möglichkeiten und Charaktereigenschaften ab. Eine kann gut mit Schulden umgehen, ein anderer gar nicht. Einem ist Geld wichtig, einer anderen eher nicht. Aber klar ist: Was ich dem Kind vorlebe, prägt sich ein. Wenn also genug Geld (oder Pausenbrot, oder Apfel) da ist, kann man dem Kind ja immer in ein bisschen mehr mitgeben – extra zum Verschenken. Im besten Fall kommt dann bald auch was zurück und die Dinge gleichen sich wieder aus.

Kolumne

Michael Güthlein
,
Konstantin Sacher

Michael Güthlein und Konstantin Sacher sind Väter: ein (1) und drei Kinder (10, 7, 5). Beide erzählen über ihr Rollenverständnis und ihre Abenteuer zwischen Kinderkrabbeln und Elternabend, zwischen Beikost und Ferienlager. Ihre Kolumne erscheint alle zwei Wochen; sie schreiben im Wechsel.