Als ich das erste Mal "Frankfurt" bei Google eintippte, saß ich auf meinem Bett in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Zum ersten Mal traute ich mich, Fotos der Stadt anzuschauen, in die mein Mann und ich ziehen würden. Sekunden später sah ich Bilder von Hochhäusern und vom Bahnhof.
Bei Wikipedia las ich, dass Frankfurt am Main eine der teuersten Städte in Deutschland sei. Wie gut, dass ich zusammen mit meinem Mann dort hinziehen würde und wir beide Geld für unseren Unterhalt beisteuern können. Grund für unseren Umzug: der zweite Master meines Mannes im Finanzbereich an der Goethe-Universität-Frankfurt.
Ich war sehr aufgeregt vor dem Umzug. So weit weg von der eigenen Familie zu sein. Ich wusste nicht, ob eine negative oder eine positive Erfahrung vor mir liegt. Ich wusste aber, dass ich vor der Abreise die deutsche Sprache lernen wollte. Bei Reddit sind sich die meisten einig, dass es sehr zur Integration beiträgt, wenn man sich in der Landessprache verständigen kann. Ich wollte also unbedingt ein Sprachzertifikat mit B2-Niveau in der Hand halten – das ist die vierte von sechs Stufen und steht für "selbstständige Sprachverwendung".
Mein Sprachzertifikat steckte also in meinem Rucksack, die Prüfung hatte ich bestanden. Ansonsten hoffte ich, dass ich genug warme Sachen eingepackt hatte, da es in Deutschland deutlich kühler ist als in Baku. In der Woche vor meinem Abflug aß ich ein letztes Mal Shah Plov, ein traditionelles Gericht aus Aserbaidschan. Ich fragte mich, ob das Essen in Deutschland auch so lecker sein würde wie in meiner Heimatstadt. Am Flughafen verabschiedete ich mich von meiner Familie und meinen engsten Freunden. Auch die Familie meines Mannes Rashad war da.
Wir landeten am 1. Oktober 2025 in Frankfurt. Als ich die Stadt zum ersten Mal durchquerte, staunte ich über die vielen grünen Parks und über die jungen Menschen, die mit ihren Fahrrädern in der Stadt unterwegs sind. Als ich meinem Vater erzählte, dass Frankfurt nur 780.000 Einwohner hat, konnte er es kaum fassen. "Bist du sicher?", fragte er mich. In meiner Heimatstadt leben fast zweieinhalb Millionen Menschen.
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Rashad war nach unserer Ankunft mit seinem Master beschäftigt. Das Programm an der Goethe-Universität besuchen viele internationale Studierende. Bestimmt findet er darüber schnell Anschluss, dachte ich. Ich selbst stieß auf eine App: Meetup. Damit kann man Menschen mit ähnlichen Interessen kennenlernen und gemeinsamen Hobbys nachgehen. Um möglichst schnell soziale Kontakte zu knüpfen, suchte ich mir eine Laufgruppe.
Vor Ort erfuhr ich, dass die Strecke an jenem Tag 7,5 Kilometer betragen sollte – ich war entmutigt und wollte am liebsten gleich wieder umkehren. Aber dann traf ich Gherman. Er spricht, so wie ich, neben seiner Muttersprache auch ein bisschen Russisch und erklärte mir, wie er zur Laufgruppe gestoßen war. Er und ein paar andere Mitläufer motivierten mich und halfen mir, die 7,5 Kilometer durchzulaufen, sie riefen "Nur noch zwei Kilometer!" oder "Die letzten 500 Meter schaffst du auch noch!" Da wusste ich: Hierher komme ich wieder! Ich fühlte mich wohl in der Gruppe, die aus internationalen Studierenden und "echten Frankfurtern" besteht. Ich musste mir nur etwas Zeit geben, um mich an das Laufpensum zu gewöhnen.
"Anstatt mit vielen Freunden feierte ich meinen Geburtstag diesmal nur mit meinem Mann"
Nigar Bahramli
Doch nicht nur daran musste ich mich gewöhnen. Als ich Ende Oktober Geburtstag hatte, fühlte ich mich noch sehr allein in der Stadt. Ich vermisste meine Freunde aus der Heimat, meine Eltern und meine Schwester. Anstatt mit vielen Freunden feierte ich meinen Geburtstag diesmal nur mit meinem Mann und besuchte ein kleines Restaurant.
Ich beschloss, mir auch noch einen Badmintonverein zu suchen. Ich liebe den Sport sehr, weil man sich messen kann – und weil es ein sozialer Sport ist. Ich mag es besonders, wenn man ein Doppel spielt und in Teams gegeneinander antreten kann. So kann man immer wieder seinen Spielpartner wechseln und mit verschiedenen Menschen ins Gespräch kommen.
Als ich schließlich nahe der Universität einen Verein fand, freute ich mich. Mit einigen der Spieler war ich sogar auf dem Weihnachtsmarkt. Wir waren eine große Gruppe von etwa zwölf Personen, viele internationale Studierende, andere aus Deutschland und neu in Frankfurt. Wir tranken Glühwein und tauschten uns über unsere Heimatländer aus. Es war ein langer Abend auf dem Weihnachtsmarkt. Nach diesem Treffen blieb ich mit einigen aus der Gruppe in Kontakt, andere sah ich nicht wieder.
"Ich hatte kaum mehr damit gerechnet, dass sie an mich denken würden"
Nigar Bahramli
Ich besuchte einen kostenlosen Sprachkurs, in dem ich jedoch mein Deutsch nicht wirklich verbessern konnte, da das Sprachniveau der vielen Teilnehmenden auf sehr unterschiedlichen Leveln war. Ich kaufte mir ein Grammatikbuch und lernte damit jeden Tag Deutsch. Währenddessen schickte ich immer wieder Bewerbungen an Frankfurter Unternehmen. Obwohl ich in Aserbaidschan einen Bachelor und einen Master in International Relations abgeschlossen und eine Weiterbildung im IT-Bereich absolviert hatte, gestaltete sich die Jobsuche mühsam.
Es war Februar, als sich die Spieler aus dem Badmintonverein wieder bei mir meldeten und fragten, ob ich Lust hätte, wieder mit ihnen zu spielen. Mein Herz machte einen Freudensprung, denn ich hatte kaum mehr damit gerechnet, dass sie an mich denken und mich zu einem Spiel einladen würden.
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Einige kommen aus Vietnam, andere auch aus Aserbaidschan. Mit Robert, Qurban, Lali und Henry verstand ich mich gut und spielte häufiger Doppel mit ihnen. Ich fühlte mich auf einmal als Mitglied einer kleinen Gemeinschaft, immer mehr zugehörig zu kleinen sozialen Kreisen in Frankfurt.
Im Juni fand ich schließlich einen Job bei Rewe Digital, dort bin ich für den IT-Support für Chatbots verantwortlich. Ich freue mich sehr, durch das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen nun mein Deutsch weiter zu verbessern.
Vor ein paar Wochen machte ich mit Rashad und zwei Mitgliedern aus dem Laufclub einen Ausflug zum Schloss Neuschwanstein. Wir wanderten in der Nähe und verbrachten den ganzen Tag miteinander. Ich habe es sehr genossen, inmitten der Natur zu sein.
Durch die Laufgruppe und den Badmintonverein, zu denen ich mich nun zugehörig fühle, finde ich mich immer besser in der neuen Stadt ein. Als ich schließlich einer Freundin, die schon seit vier Jahren in Frankfurt lebt, bei einem Spaziergang durch die Stadt mein Lieblingsrestaurant "Takumi" empfehle, merke ich, dass ich nicht mehr nur in meiner Heimat Baku gute Restauranttipps geben kann, sondern nun auch hier. Und mein Herz macht wieder einen Freudensprung.
Protokoll: Mira Petzold



