chrismon: Man hört oft, dass das Leben mit Kindern die Partnerschaft belastet. Aus Ihrer Praxis: Was verändert sich durch Kinder?
Julia Schneider: Oft wird gesagt: "Mit Kindern kommt die Partnerschaft zu kurz." Ich würde es etwas anders formulieren: Die Partnerschaft bekommt weniger Raum als vorher und das ist erst einmal völlig normal. Biologisch ist das sogar sinnvoll, denn kleine Kinder sind existenziell darauf angewiesen, dass Erwachsene verfügbar sind, ihre Signale wahrnehmen und feinfühlig reagieren.
Aber weniger Raum kann zu Problemen führen ...
Ja, viele Paare geraten in eine sogenannte normative Beziehungskrise. Also Situationen der Belastung, in denen sehr viele Paare ähnliche Erfahrungen machen: Die Beziehung verändert sich und es hakt an verschiedenen Stellen. Das ist aber kein Zeichen von Scheitern, sondern ein normaler Übergang. Manche Paare meistern ihn relativ stabil, andere geraten stärker ins Wanken. Der Familienalltag wirkt dabei oft wie ein Brennglas.
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