Inka Orth, 60: "Durch die Patisserie sprechen wir täglich über Johanna und das, was sie so sehr liebte"
Inka Orth, 60: "Durch die Patisserie sprechen wir täglich über Johanna und das, was sie so sehr liebte"
Stefan Volk
Flutkatastrophe im Ahrtal
Mutter erlernt Beruf der verstorbenen Tochter
Inka Orth, 60, verlor ihre Tochter Johanna bei der Flut im Ahrtal. In ihrem Andenken eröffnete sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Patisserie in Hamburg
09.02.2026
3Min

Unsere Tochter Johanna war erst 22 Jahre alt, als sie im Sommer vor vier Jahren ertrank. Das Wasser, das aus dem nahegelegenen Flüsschen Ahr in ihre Erdgeschosswohnung eingedrungen war, hatte sie im Schlaf überrascht. Mein Mann und ich waren zu diesem Zeitpunkt in unserem Ferienhaus auf Mallorca. Wir hatten es gerade erst gekauft und ich hatte mir sehr gewünscht, dass Johanna auf diese Reise mitkommt, aber sie musste für ihre anstehenden Prüfungen zur Betriebswirtin lernen.

Johanna war bereits ausgebildete Konditormeisterin – und sie hatte große Pläne: Auf ihrem Schreibtisch lag ein fertiger Businessplan für eine eigene Patisserie. Alles war durchdacht und berechnet, Location und Geräte ausgesucht. Es sollte eine gläserne Manufaktur mit angeschlossenem Ausbildungsangebot werden.

Wir waren gerade auf Mallorca gelandet, als nachts um halb eins mein Telefon klingelte, am anderen Ende Johanna. "Ich stehe bis zu den Knien im Wasser", sagte sie. "Die Möbel bewegen sich. Und die Tür geht nicht auf." Das Wasser war schon in der Wohnung. Dann brach die Verbindung ab und unser Alptraum begann.

Mit dem nächsten Flieger sind wir zurück nach Deutschland. In Bad Neuenahr herrschte Chaos, überall war Wasser. Gegenstände, Autos, hatten sich in den Straßen aufgetürmt. Brücken waren zerstört. Weil man Johanna nicht in ihrer Wohnung gefunden hatte, begannen wir überall nach ihr zu suchen, klapperten jedes Krankenhaus in der Umgebung ab. Vergeblich! Als die Nachricht kam, dass Johanna die Flut nicht überlebt hatte, hat es mir den Boden unter den Füßen weggerissen.

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