Widerstand im Nationalsozialismus
Beinahe hingerichtet für ihre Überzeugungen
Die Ärztin Adélaïde Hautval wird nach Auschwitz deportiert. Dort lehnt sie ab, Josef Mengele bei seinen Menschen­versuchen zu assistieren. Nur knapp entgeht sie dem Tod
Illustration der Ärztin Adélaide Hautval: "Von dem Moment an, wo Sie Juden verteidigen, werden Sie auch deren Schicksal teilen", droht man ihr
Ärztin Adélaïde Hautval weigerte sich, Josef Mengele bei Menschenversuchen zu assistieren
Laura Breiling
chrismon
Aktualisiert am 01.06.2026
3Min

Als sie realisiert, dass sie an medizinischen Menschenversuchen teilnehmen soll, gibt es für sie nur eine Option: "Ich bin absolut dagegen." Ungeheuerlich, was dort geschieht, auf keinen Fall wird sie dabei mitmachen. Adélaïde Hautval ist Ärztin, Mitte dreißig, stammt aus Frankreich und befindet sich als Gefangene im Konzentrationslager Auschwitz. Den hippokratischen Eid, den sie einst geschworen hat, nimmt sie absolut ernst und die möglichen Folgen in Kauf.

1906 kommt Adélaïde Hautval in den Vogesen auf die Welt, ihr Vater ist Pastor, sie wird protestantisch erzogen, studiert Medizin. Unterwegs zu einem Krankenbesuch bei ihrer Mutter überquert sie 1942 verbotener­weise die Demarkations­linie – die Grenze, die das unbesetzte Gebiet vom von Deutschen besetzten Frank­reich trennte. Prompt wird sie erwischt, verhaftet und erlebt mit, wie eine jüdische Familie schikaniert wird. Hautval ergreift Partei für die Familie.

Im Gefängnis von Bourges, wohin sie gebracht wird, will sie sich solidarisch zeigen, bastelt sich einen gelben Papierstern. "Von dem Moment an, wo Sie Juden verteidigen, werden Sie auch deren Schicksal teilen", droht man ihr. Von nun an wird sie des Delikts der "Juden-Freundin" beschuldigt und deshalb deportiert: Nach verschiedenen Zwischenstationen bringt man sie Anfang 1943 nach Ausch­witz. Hautval wird als Lagerärztin eingesetzt. Sie erlebt Selektionen mit, behandelt Typhuserkrankte und ­meldet sie nicht, um sie vor dem sicheren Tod zu bewahren. Jüdinnen betteln Hautval um Giftspritzen an, falls sie für die Gaskammer geholt werden.

Mit anderen gefangenen Ärztinnen und Krankenschwestern, mit denen sie im Lager zusammenarbeitet, tauscht sie sich über ethische Fragen aus: Wie lässt sich mehr erreichen – sich den Befehlen der Nazis komplett verweigern oder versuchen, Kompromisse einzugehen? Mit ihnen diskutieren oder schweigen?

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Guten Tag,

zu dem informativen Artikel von Juliane Ziegler möchte ich noch anmerken, dass die Ärztin Adélaide Hautval auch in dem sehr lesenswerten Roman "Die Postkarte" (bei dem es sich eher um einen Bericht handelt) von Anne Berest in zwei Kapiteln vorkommt.

Mit freundlichen Grüßen
Walter Ehrmantraut

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Der Bruder meines Vaters, Otto, Jahrgang 1919, war Arzt und glühendes NSDAP Mitglied. Als er ins Foltergefängnis Bautzen als Arzt versetzt wurde, weigerte er sich dort zu arbeiten, denn er hatte den hippokratischen Eid doch geleistet… das schrieb er seinem Vater.
Er wurde daraufhin nach Stalingrad strafversetzt und kam dort durch ein Schrapnell zu Tode.
Seine Frau und deren Familie, alle NSDAP-Mitglieder, begangen 1945 in Dresden Suizid mit Zyankali…
Was ging in diesem NSDAP-Mitglied und Arzt vor? Warum brachten sich die NSDAP-Mitglieder, seine Frau und Familie um?
Haben sie zum Schluss das Unrecht erkannt? Oder „nur“ Angst vor den Russen gehabt? Wir wissen es nicht. Wir haben stapelweise Feldpostbriefe archiviert, aber in diesen ist kein Unrecht durch die Wehrmacht beschrieben - heute sind wir eines besseren belehrt…..die Wehrmacht war an unzähligen Verbrechen beteiligt…. Otto muss es gespürt haben….

Andreas Fritzsche