Abenteuer zuhause erleben
Aufgabe: Einen Tag lang nur geradeaus gehen
Finden Sie Ihren Alltag langweilig? Das können Sie ändern, sagt Christo Foerster: mit "Mikroabenteuern". Einfach raus und machen! Muss nicht lang sein, ein Tag oder eine Nacht reichen. Aufregend wird es trotzdem, versprochen
Christo Foerster auf der höchsten Erhebung in Schleswig-Holstein
Christo Foerster auf der höchsten Erhebung in Schleswig-Holstein
Josez Kubica
Tim Wegner
24.03.2021
12Min

chrismon: Sie empfehlen kleine Out­door­abenteuer für zwischendurch. Welches Mikroabenteuer haben Sie selbst zuletzt erlebt?

Christo Foerster: Mein achtjähriger Sohn und ich haben im Winter zwei Nächte draußen geschlafen, in unse­rem kleinen Garten, in Schlafsäcken, ohne Zelt, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Mein Sohn hatte sich das gewünscht. Als er Freunden und der Oma davon erzählte, staunten die: "Was, bei null Grad?!" Da war er dann schon stolz. Für Balkon oder Terrasse braucht man nicht mal Schlafsäcke, da kann man sich auch einfach Matratze und Bettdecke rauslegen.

Und was ist da jetzt spannend dran?

Die Geräusche nachts, das Licht – ­alles ist anders, als man es zu kennen meint. Und es ist ein Ausbrechen aus dem Alltagstrott. Man macht etwas anders, als man es immer macht.

Viele Menschen wollen lieber weit wegreisen, um richtig was zu erleben . . .

Wir warten immer auf das, was ge­rade nicht ist. Wir denken: Wenn erst einmal das und das eintritt, dann er­leben wir was Großes und Tolles.

Dann beginnt das eigentliche Leben . . .

Das ist genau so, wie wenn man ­ die ganze Woche immer nur aufs Wochenende wartet. Fernreisen sind ja immer auch eine Flucht aus dem normalen Alltag. Dann komme ich wieder und denke, alles ist anders, aber nichts ist anders, ich komme wieder in das Gleiche rein. Mit den Mikroabenteuern verändere ich wirklich meinen Alltag, das ist am Ende viel wertvoller. Ich befriedige meine Sehnsucht nach Natur und die Sehnsucht nach echten Erlebnissen.

Das Abenteuer wird nicht größer, je weiter ich weg bin

Abenteuer haben nichts mit Entfernung zu tun?

Nein. Das Abenteuer wird nicht ­größer, je weiter ich weg bin.

Wann ist denn etwas ein Abenteuer, ob nun groß oder klein?

Drei Bedingungen hat ein Abenteuer: Sie müssen raus aus der Komfortzone; Sie machen etwas anders als bisher; und Sie akzeptieren Ungewissheit.

Ungewissheit akzeptieren – was heißt das?

Dass ich nicht genau weiß, wie das ausgeht oder ob ich schon bereit ­dafür bin. Viele wollen ein Abenteuer, ­wollen aber auch genau wissen, wie es ausgeht und wie es abläuft. Sie wollen eine Garantie dafür, dass es so läuft, wie sie es sich ausgemalt haben.

Christo FoersterJosez Kubica

Christo Foerster

Christo Foerster, 43, ist Abenteurer, Autor und Motivations­experte. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg. Zweimal wöchentlich gibt es von ihm den ­Podcast "Frei raus" zu hören. Foerster schrieb die Bücher ­"Mikroabenteuer, das Praxisbuch" und "Mikro­abenteuer, das Motivations­buch" (jeweils 10 Euro).

Muss ein Abenteuer also gefähr­lich sein?

Nein! Ich bin überhaupt nicht dafür, sich bewusst in Lebensgefahr zu be­geben, natürlich nicht. Ich würde nicht mit Flipflops eine hochalpine Tour machen. Wir dürfen uns gern gewissenhaft vorbereiten. Dennoch wird ein Abenteuer immer auch Situationen bereithalten, auf die wir möglicher­weise doch nicht vorbereitet sind.

Bei Ihrem ersten Mikroabenteuer hatten Sie nicht genug zu trinken mit. Sie wollten in einer Nacht von Hamburg nach Berlin radeln.

Meine Kinder waren klein, ich war viel zu Hause. Als ein alter Freund aus ­Berlin anrief, den ich lange nicht gesehen hatte, hörte ich mich spontan zu ihm sagen: "Pass auf, lass uns doch morgen frühstücken gehen am Branden­burger Tor, ich bin um 10 Uhr da, mit dem Fahrrad." Um 16 Uhr an diesem kalten Märztag fuhr ich los, um 22 Uhr wollte ich mir die Trink­flaschen noch mal auffüllen lassen, aber es kam keine Tankstelle mehr, nichts. Bis ich in einem Gewerbe­gebiet Stimmen vom Hintereingang einer schon dunklen McDonald’s-Filiale hörte, die zwei Mitarbeiter schlossen gerade ab – auf den letzten Drücker füllten sie meine Flaschen auf.

Wie ging es aus?

Ich kam tatsächlich in Berlin an, eine Stunde später als geplant. Wir frühstückten, ich fuhr mit dem Zug zurück und war nach insgesamt 24 Stunden wieder zu Hause. Mir tat alles weh, ich war völlig fertig. Natürlich war es ­eine bekloppte Idee, aber für mich auch eine grandiose, weil ich erkannte: Ich muss einfach nur raus und kann von der Haustür aus ein tolles Abenteuer erleben.

Es war ja nun schon immer möglich, kurze, nahe, günstige Draußenabenteuer zu erleben, Sie sind nicht der Erfinder . . .

Nein, die Idee ist natürlich nicht neu. Den Begriff microadventure prägte aber erst 2014 der britische Aben­teurer Alastair Humphreys. Ich ­habe ­diese Idee im deutschsprachigen Raum bekanntgemacht. Ich will dabei aber keine Gebrauchsanweisung geben, sondern Inspiration und Ideen teilen.

300 Kilometer am Stück radeln – das ist für die meisten außerhalb ­ihrer Möglichkeiten. Geht’s auch eine Nummer kleiner?

Natürlich. Die Komfortzone endet bei jedem Menschen ja woanders. Man könnte zum Beispiel einen Tag lang nur geradeaus gehen – natürlich nicht über die Autobahn – und dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren. Oder einen Tag lang an jeder dritten Kreuzung abbiegen – mal rechts, mal links. Das ist eine gute Übung, sich mal dieser Ungewissheit hinzugeben. Oder man gibt sich gar nichts vor, stromert einen Tag lang nur herum, lässt sich treiben. Das ist für manche eine größere Heraus­forderung, als möglichst schnell von A nach B zu kommen.

Gäbe es auch Ideen für nicht so fitte Menschen?

Klar. Gehe zum Bahnhof, steige in den nächsten Zug auf Gleis 2 und fahre so weit, wie du mit diesem Zug für 15 ­Euro kommst, maximal zwei Stunden; verbringe dort, wo du ankommst, einen Tag und fahre dann wieder nach Hause. Oder 24 ­Stunden an einem Spot sein – der muss nicht spektakulär sein, auch nicht un­bedingt einsam, das bringt einen hundertprozentig runter und schult die Achtsamkeit. Oder man geht ­einen Tag barfuß durch den Wald. Mir ­haben viele Leute erzählt, dass das für sie unglaublich war, ­eine Art spirituelle Erfahrung. Ich bin nun wirklich kein Esoteriker, aber das ­erdet, das schafft rein körperlich eine Verbindung zur Natur, da werden die Nerven ganz anders stimuliert.

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Und wenn man nicht viel laufen kann?

Bei Vollmond eine Nacht draußen sein, ohne zu schlafen, das kann ein wunderbares Abenteuer sein, da muss man keine großen Strecken zurück­legen. Oder man macht sich ganz früh auf an irgendeinen Ort, wo man meint, da könnte es ganz schön sein, die ­Sonne aufgehen zu sehen. Das muss kein dramatischer Sonnenaufgang sein. Die Autorin Jo Walton sagt: "Es gibt da draußen jeden Tag einen Sonnenaufgang und einen Sonnen­untergang. Und sie sind absolut kostenlos. Ver­passe nicht zu viele von ihnen."

Aber das Anfangen ist so schwer!

Ich weiß: Der Schritt aus der Tür ist meist der schwerste. Eine ­meiner schönsten Rückmeldungen ist die eines Mannes, der nachts von seinem einjährigen Sohn aus dem Schlaf ­gerissen wurde und nicht wieder einschlafen konnte. Er fing an, mein Buch zu lesen, klappte es nach dem ers­ten Kapitel zu und legte einen ­Zettel auf den Küchentisch: "Bin schon los. ­Gehe heute zu Fuß zur ­Arbeit." Seine ­Kollegen hätten ihm zwar einen ­Vogel gezeigt, er war ­immerhin 25 Kilometer gewandert, aber das sei ihm egal gewesen.

Man macht es sich also absichtlich schwer – statt mit dem Auto zu ­fahren, geht man zu Fuß zur Arbeit; oder man gibt sich eine absurde Spielregel vor: immer geradeaus . . .

Genau. Neudeutsch würde man sagen: Man stellt sich einer Challenge, einer Herausforderung. Das kann helfen, aus Mustern rauszukommen.

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Und wie kommen Sie aus Ihrer Komfortzone raus?

Eine der drei Regeln, die ich für mich aufgestellt habe, lautet: keine Anreise mit Auto oder Flugzeug, sondern aus eigener Kraft oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich beobachte oft, dass Menschen mit dem Auto in eine Wanderregion fahren, auf einen Berg steigen, mit dem Auto wieder zurückfahren. Das wäre für mich kein Abenteuer. Dagegen komme ich sofort in einen Expeditionsmodus, wenn ich überlegen muss, ja, wie mach ich das denn ohne Auto? Kann ich da vielleicht zu Fuß hin oder mit dem Rad? Muss ich schon am Abend vorher los und übernachten? Wie ist der Bus­anschluss?

Draußen schlafen, und diesmal entscheiden die Kinder, wo. Da sagen die bestimmt nicht Nein. Denn Kinder sind die besten Abenteurer

Und die anderen beiden Regeln für Ihre eigenen Mikroabenteuer?

Mindestens acht Stunden, aber höchs­tens 72 Stunden, denn danach ist es kein Mikroabenteuer mehr. Und falls eine Nacht dabei ist, schlafe ich ­draußen, ohne Zelt.

Ohne Zelt?

Das ist ein großartiges Abenteuer, vielleicht sogar das Mikroaben­teuer schlechthin. Weil es für viele mit Ängsten verbunden ist. Es braucht dafür ein bisschen Mut und einen vernünftig warmen Schlafsack.

Muss man denn Angst haben?

Nüchtern gesehen sollten wir mehr Angst davor haben, morgens auf die Straße zu treten oder uns ins Auto zu setzen. Man kann sich merken: Begegnungen in der Dunkelheit mit anderen Menschen sind sehr selten und für den anderen genauso merk­würdig wie für uns. Und die allermeisten Tiere haben Angst vor Menschen. In der Eifel näherte sich nachts mal ein Luchs – er überschlug sich vor Angst, als ich mich bemerkbar machte. Man sollte allerdings Essbares und Abfälle luftdicht verschließen und in ­einen Baum hängen. Man kann auch in ­einer Hängematte schlafen, einen halben Meter oder mehr über dem Boden, das beruhigt die Nerven.

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Ist wildes Zelten in Deutschland denn erlaubt?

Nein. Man braucht immer das Okay des Besitzers von Wald oder Wiese. Aber man darf die freie Landschaft betreten, um sich zu erholen, so steht es im Bundesnaturschutzgesetz. Und was erholt mehr als ein paar Stunden Schlaf? Das sogenannte Lagern in der freien Natur, also das Liegen ohne Zelt, ist nicht ausdrücklich verboten. Nur in Naturschutzgebieten ist auch das Lagern verboten, zu Recht.

Im vergangenen Pandemie­sommer wandte sich ein Schwarzwald-­Ranger verzweifelt an die Öffentlichkeit: Im Feldberggebiet würden überall Leute draußen schlafen, man könne dem Auerhuhn gerade beim Aussterben zusehen . . .

Man darf sich nachts dort überhaupt nicht aufhalten, schon gar nicht abseits der Wege! Ich hatte den Ranger in meinem Podcast. Er erzählte: Die ­Leute, meist jüngere Paare, hätten sich an den bekannten Schwarzwald-Spots gedrängt, auf dem Feldberg, dem ­Belchen oder in der Wutachschlucht. Dabei gebe es im Schwarzwald Tausende von Kilometern wunderschöne Waldränder mit tollen Ausblicken, wo man weniger Schaden anrichtet. Die Tourismuszuständigen legen auch zunehmend Trekkingplätze an, zum Beispiel im Steigerwald oder in Schleswig-Holstein.

Was ist ein Trekkingplatz?

Das sind unbewirtschaftete Camps mit Biotoilette und Feuerplatz. Um dort zu übernachten, braucht man allerdings eine Reservierung. Es ­müssen aber wirklich nicht immer die Hotspots sein, wir können ge­nauso von der Haustür loswandern.

. . . in unspektakuläre Natur . . .

Und genau da kommen wir in Ecken, wo uns Ausflüge nicht hinführen, wo wir etwas entdecken können.

Mich erinnert das daran, wie man als Kind einfach mal mit dem Kopf am Fußende geschlafen hat. Wenn man dann nachts aufwachte, war es ein großes Abenteuer, im dunklen ­Zimmer den Lichtschalter zu finden.

Schönes Beispiel. Wenn wir uns erlauben, wie Kinder spielerischer und meinetwegen auch bekloppter an Ideen ranzugehen, dann kommt auch dieses Unbekümmerte wieder, wo man nicht hinter allem einen ­großen Sinn sieht. Ein Abenteuer muss ­keinen Sinn machen! Die Abenteuer, deren Sinn sich auf den ersten Eindruck niemandem erschließt, sind meist die besten.

Halten die Leute einen dann nicht für bescheuert?

Als ich mich mit natürlicher Bewegung beschäftigte, bin ich eine Zeit lang öfter auf Bäume geklettert – da blieben viele Leute stehen, manche filmten auch mit dem Handy. Genauso, als ich mit einem Freund in der Eifel aus herumliegenden Baum­stämmen ein Floß baute, um ­unser Gepäck über den Vulkansee zu ­ziehen, statt um den See herumzulaufen. Aber wenn ich dann auf die Leute zu­gehe, bekomme ich eigentlich immer eine positive Rückmeldung. Die ­Leute halten mich nicht für bescheuert, sondern freuen sich, dass da jemand etwas Außergewöhnliches macht. Oft spielt da das Gefühl mit: Ach Mensch, ich würde mich das ­eigentlich auch gern trauen, ich hab das früher selbst gemacht, und ich weiß, dass das gut war.

Kinder sind die besseren Abenteurer

Was könnte man mit Kindern unternehmen, egal ob bescheuert oder nicht?

Eine Mutter schickte mir ein Foto von ihrem schönsten Mikroabenteuer: Sie und die vier Kinder gehen von zu Hause aus los, und ­jedes Kind führt die Gruppe immer zehn Minuten lang. Es sei jedes Mal ­eine ­Riesengaudi. Ich finde das sowieso enorm wichtig, dass Kinder bei ­solchen Unter­nehmungen viel mitentscheiden dürfen.

Die Kinder dürfen entscheiden?

Ja, sie müssen mitentscheiden dürfen, wenn wir wollen, dass sie motiviert draußen unterwegs sind. Und das ­erreichen wir nicht, indem wir ­sagen: "Wir haben noch zwei Stunden bis zur Hütte, wir müssen Gas geben, nicht hier noch spielen am Bach!" Dann sagen sie: Nee, da hab ich überhaupt keinen Bock drauf. Dann wird es ­mühsam. Wenn man stattdessen sagt: Wir schlafen draußen, und ihr entscheidet, wo. Dann steigt ihre ­Motivation unglaublich, sie müssen ja überlegen, was jetzt ein guter Platz ist. Meine Haltung ist: Nicht wir ­nehmen die Kinder mit auf ein ­Abenteuer, ­sondern sie nehmen uns auf ein ­Abenteuer mit – denn sie sind die viel besseren Abenteurer.

Und wenn man als erwachsener Mensch furchtbar wenig Zeit hat?

Selbst wenn jemand zehn oder zwölf Stunden arbeitet, bleibt noch genug Zeit. Egal, wo man arbeitet – innerhalb einer Stunde ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer an einem Ort, wo man durchatmen und das Draußen genießen kann. Man kann auch zwischen zwei Arbeits­tagen ein Abenteuer haben: Direkt nach der Arbeit raus, vielleicht sogar die Nacht draußen sein, frühmorgens sich frisch machen im Bach oder mit dem Rest Trinkwasser oder in der Bahnhofstoilette. Im englischsprachigen Raum gibt es dafür die Bezeichnung 5-to-9-Adventure, man könnte auch "Feierabenteuer" dazu sagen.

Leider stecken Abenteuer oft voller Widrigkeiten . . .

Gott sei Dank!

Was?

Natürlich, im Moment macht das ­keinen Spaß, da ist es einfach nur ­blöder Dauerregen. Abenteuer, ob klein oder groß, sind eine ­Metapher fürs Leben. Da passieren auch ­immer wieder ­Dinge, die uns nicht so ge­fallen, aber am Ende gilt es, ­Lösungen zu finden und an diesen Widrigkeiten zu wachsen. Gut, es regnet jetzt, kann ich nicht abschalten, guck ich eben, wie ich da durchkomme. Diese Fähigkeit, das Beste aus dem zu machen, was wir haben, da wo wir sind, die braucht man in vielen Bereichen des Lebens.

Sind Mikroabenteuer auch irgendwie erholsam?

Ich wehre mich immer dagegen, Abenteuer in einen Topf zu ­schmeißen mit Urlaub. Denn ein Abenteuer ist kein Urlaub und auch kein Spaziergang.

Immerhin ist das Gehirn mit etwas völlig anderem beschäftigt.

Genau. Man ist im Moment. Der Fokus muss jetzt auf dem sein, was man gerade tut, sonst könnte man nicht die Herausforderung bestehen. Das ist dann schon entspannend für den Geist, wenn man in einen Flow kommt.

Sie grenzen sich ab von "Pseudoabenteuern". Es gibt da kommer­zielle Angebote wie Igluübernachtung mit Käsefondue am Alpenrand, Trekking in einer Höhle, ein Tag ­Sur­vival-Training, Hochseilgarten . . . Was haben Sie denn dagegen?

Ich hab da gar nichts dagegen, ich glaub nur nicht, dass es ein Abenteuer ist. Es ist mir wichtig, den Abenteuerbegriff hochzuhalten.

Es ist immerhin ein Erlebnis.

Genau, es ist ein Erlebnis. Aber es ist kein Abenteuer, weil ich überhaupt keine Selbstverantwortung habe. Es ist alles vororganisiert, der Ablauf steht, und es ist jemand da, der sich darum kümmert, dass alles genau so läuft, wie es laufen soll. Das sind keine ehrlichen Erlebnisse – bei denen schaffe ich aus meiner eigenen Kraft heraus etwas. Ich werde ­immer wieder gefragt, warum ich keine Mikroabenteuer gegen Bezahlung anbiete – bislang wehre ich mich erfolgreich dagegen. Es ist, wie es ist: Echte Abenteuer lassen sich nicht buchen.

Was könnte für Jugendliche noch ein Mikroabenteuer sein, die mit ihren Eltern bereits in New York, Barcelona und Dubai waren?

Survival zu spielen. Natürlich geht es in Deutschland in den seltensten ­Fällen ums Überleben, aber man kann es spielen. Je nachdem, wie alt die ­Jugendlichen sind, stellt man sie vor wirkliche Herausforderungen: Hier, Rucksack, ihr seid erst über­morgen wieder da. Es regnet vielleicht, du musst dir deinen Unterschlupf für die Nacht selbst bauen. Oder: Du musst Feuer machen ohne Feuerzeug oder Streichhölzer. Da kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Da ist man mit­unter stundenlang zu Gange. Wenn man überhaupt erst mal eine Idee hat, wie man das anfangen soll.

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