350 Kinder, Jungen wie Mädchen, besuchen täglich die Schule in Guinea-Bissau
Raúl Moerchen / Deutsch-Guineische Gesellschaft (Bissau) e. V.
Schulprojekt in Guinea-Bissau
Und bald gibt es Schulhonig!
Ein deutscher Verein betreibt eine Schule im bitterarmen Guinea-Bissau. Gut 350 Kinder lernen hier, von der ersten bis zur neunten Klasse. Die staatlichen Beamten zeigen das Projekt stolz herum, wenn Besuch aus dem Ausland kommt
Tim Wegner
24.04.2026
3Min

Es ist über 25 Jahre her. Carlos Robalo kehrte nach vielen Jahren im europäischen Exil zum ersten Mal in sein Heimatdorf Ilondé in Guinea-Bissau zurück.

Was er sah, erschreckte ihn zutiefst. Ein Bürgerkrieg hatte das Land verwüstet. Bittere Armut überall. Und: "Meine alte Dorfschule gab es nicht mehr." Kinder saßen in einer alten, verrotteten Kaserne auf dem blanken Boden. Es gab weder regulären Unterricht noch Bücher, Stifte oder Lehrmaterial.

Zurück in Köln, wo Carlos schon seit 1980 als erfolgreicher Musiker lebte und arbeitete, erzählte er seinen Freundinnen und Freunden von seinem Erlebnis. Spontan beschlossen sie, zu helfen. Das Ergebnis: der Verein "Deutsch-Guineische Gesellschaft (Bissau) e. V." mit ihrem Projekt "Eine Schule für Bissau".

350 Kinder, Jungen wie Mädchen, kommen heute täglich auf das fünf Hektar große Gelände, das der Verein von Carlos Vater, einem Cashewnuss-Bauern, geschenkt bekam. Es gibt sieben Schulhäuser, eine Mensa, einen Sportplatz, eine Bibliothek, einen Computerraum, Freiplätze zum Spielen, eine Außenküche mit Backofen und ein Sanitärhaus. Strom kommt über Solaranlagen auf den Dächern, ein Wasserturm versorgt sowohl die Schule als auch die direkten Nachbarn mit Trinkwasser.

Über 20 Lehrerinnen und Lehrer bringt der Schulbus täglich aus der 25 Kilometer entfernten Hauptstadt Bissau zum Gelände. Der Unterricht von Klasse eins bis neun erfolgt in jeweils zwei Schichten, morgens oder nachmittags. Die Kinder kommen oft zu Fuß, manchmal sieben oder acht Kilometer weit. Wenn noch Platz ist im Lehrerbus, einem umgebauten Mannschaftswagen einer deutschen Feuerwehr, werden sie auf dem Weg aufgesammelt.

Die Schule ist beliebt, denn sie bietet, was das staatliche System nicht kann: solide und gute Bildung, bezahlbar. Das Schulgeld beträgt pro Kind und Monat circa 5 Euro, ähnlich hoch wie an den viel schlechteren öffentlichen Schulen.

Seit 2010 lebt Carlos Robalo nicht mehr in Köln, sondern mit seiner Familie in seinem Geburtsort. Als Projektleiter kümmert er sich um die Schule, unterstützt Schulleiter und Direktorium, hält den Kontakt nach Deutschland, zum Bildungsministerium und anderen lokalen Institutionen und Hilfsvereinen: "Wir kommen nicht als engagierte Ausländer von außen", sagt er, "sondern wir gehören dazu, wollen Teil der hiesigen Gesellschaft sein."

Guinea-Bissau, eine ehemalige portugiesische Kolonie, ist winzig, bitterarm, geschüttelt von Diktaturen und staatlicher Korruption. Trotzdem kooperiert die Schule eng mit den Beamten, die längst stolz das Projekt herumzeigen, wenn Besuch aus dem Ausland kommt.

Zurzeit verlassen die Kinder mit 16 die Schule - einige wenige können dank eines Vereinsstipendiums Abitur machen oder studieren. Carlos und sein Verein wollen die anderen Jugendlichen nun bis zu einer Berufsausbildung weiter begleiten. Geplant sind eine Nähwerkstatt und eine Tischlerei. Der Schulgarten für Gemüseanbau ist fast fertig, ein örtlicher Imker wurde gefunden. Jetzt warten alle auf das Equipment - eine deutsche Imkerei hat es gespendet, nun ist es unterwegs per Containerschiff. Denn, wie sagt es Carlos: "Wir sind nicht nur eine Schule - wir sind ein Sozial- und Kulturprojekt für die ganze Region."

Spendeninfo

Die Schule ist eingegliedert ins staatliche Schulsystem. Dank des Vereins bekommen aber alle Lehrer mehr Gehalt, sodass der Betrieb immer gewährleistet ist. Mit 100 Euro Spenden finanzieren sie dieses Zusatzgehalt für zwei Lehrkräfte.

Spendenkonto:
Deutsch-Guineische Gesellschaft (Bissau) e.V.
IBAN DE03 3705 0198 0029 1527 41

Website: https://www.eineschulefuerbissau.de/

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