Women for Women International
Zeina Kanawati, Frauenrechtsaktivistin und Journalistin, bei einem Heimatbesuch in Damaskus
Zeina Kanawati
Frauen in Syrien
Damit ihr stärker werdet
Sie lernen Nähen, Englisch oder Mathematik: Women for Women International hilft Frauen im vom Bürgerkrieg zerstörten Syrien
Tim Wegner
14.03.2026
2Min

Es ist ein paar Monate her. Zeina Kanawati besuchte ihre Eltern in Damaskus. Sie wohnen in einer Wohnung in einem bürgerlichen Viertel der Stadt. In ihrer Nachbarschaft lebt eine ältere alleinstehende Dame, die von allen hier geliebt und geachtet wird. Eines Tages liegt sie tot im Eingangsflur ihres Hauses. Was war geschehen?

Zeinas Kanawatis Eltern berichten ihr, dass korrupte "Sicherheitskräfte" die ältere Dame seit Monaten zum Verkauf ihrer Wohnung gedrängt hätten. Ständig, so berichten die Eltern, seien sie auf der Bildfläche erschienen, hätten mit Verhaftung und Zwangsräumung gedroht, ohne jede Legitimation. Keiner wusste es, Sie seien brutal gewesen, hätten in der alten Dame ein leichtes Opfer für ein Geschäft gesehen. Und die alte Dame: hatte Todesängste und ein schwaches Herz.



Im Dezember 2024 stürzte der syrische Diktator Baschar al-Assad nach 13 Jahren blutigem Bürgerkrieg. Eine Übergangsregierung versprach Ruhe und den Wiederaufbau des Landes, doch davon ist in Syrien wenig zu spüren, sagt Zeina Kanawati. Über 16 Millionen Menschen im Land benötigen dringend humanitäre Hilfe.

Kanawati, syrische Journalistin und Frauenrechtsaktivistin, floh einst vor Assad, lebt heute in Deutschland und arbeitet von hier aus für die Organisation Women for Women International. Schon mehrmals war sie seit 2024 in Syrien. Der tragische Fall ihrer älteren Nachbarin sei nur einer von vielen, berichtet sie.

Lesen Sie hier: "Ohne Hoffnung wäre Damaskus eine Geisterstadt"

In dem aufgewühlten Land sind vor allem Frauen Opfer von brutaler und alltäglicher Gewalt. Sie blieben als Witwen und Alleinerziehende zurück, als ihre Männer in den Kämpfen starben; manche wurden wieder zwangsverheiratet. Sie werden systematisch ausgegrenzt, auch bei der Wahl von wichtigen politischen Posten. Und es gibt neue Vorschriften für den Strand: züchtige Kleidung.

Women for Women International ist schon seit einigen Jahren in Syrien präsent, kooperiert eng mit lokalen Hilfsorganisationen und organisiert Aus- und Weiterbildungskurse in Nähen, Computerwartung, Konditorei oder Seifenherstellung. Außerdem gibt es Onlinekurse in Arabisch, Englisch und Mathematik. Gut 500 Frauen in verschiedenen Regionen sind zurzeit im Programm integriert.

Bei ihrem letzten Besuch in ihrer alten Heimat erlebte Zeina Kanawati nicht nur den Terror der Polizei, die alltägliche Angst auf den Straßen, sondern traf sich auch mit Frauen, die dank der Hilfe von Women for Women International ein kleines Business aufbauen konnten.

Besonders beeindruckt war sie von den Gesprächen mit ehemaligen Gefängnisinsassinnen, die während ihrer Haft vergewaltigt und schwanger wurden. Jetzt sind sie frei - doch die Gesellschaft stigmatisiert sie und ihre Kinder. In den Kursen lernen sie nicht nur ein Handwerk, sondern gewinnen auch ihr Selbstbewusstsein zurück. Damit sie sich behaupten können. Zeina Kanawati sagt es so: "Die Frauen, die für unser Land so viel verloren haben, schaffen es nicht weiter allein. Sie brauchen jetzt unsere Hilfe."

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