Eine weibliche Person in einem hellroten Kleid verschränkt die Arme vor der Brust. Sie ist anonymisiert abgebildet
Erst hatte sie Schuldgefühle und dann merkte sie: Grenzen setzen tut gut
Mia Takahara / plainpicture
Wohngemeinschaft
Ich bin kein schlechter Mensch, wenn ich Grenzen setze
Gemeinschaft ist für Maren Schäfer wichtig. Aber ihre kranke Mitbewohnerin verlangte ständig, dass sie für sie da ist. So ein Druck! Wie man lernt, besser auf die eigenen Bedürfnisse zu achten
Privat
23.07.2026
4Min

Maren Schäfer*, 26 Jahre alt:

Ich war gerade bei meinem damaligen Freund, als meine Mitbewohnerin mir schrieb: "Mir geht es gar nicht gut." Dabei wusste sie, wo ich war. Mein Freund und ich hatten uns extra diesen Abend genommen, weil wir sonst nicht viel Zeit füreinander hatten. Ich habe ihr dann geschrieben, dass ich jetzt nicht kann. Trotzdem habe ich mich extrem schuldig gefühlt, weil ich sie zurückweisen musste. Das war der Moment, in dem ich mir gesagt habe: Nee, so geht das nicht weiter.

Eigentlich bin ich eine sehr offene Person, menschenorientiert, die gerne Kontakt sucht. Auch deshalb wohne ich ein einer Wohngemeinschaft. Ich mag es, wenn man in der WG mal abends zusammen in der Küche steht und quatscht und nicht wie Fremde nebeneinanderher wohnt. Aber hin und wieder brauche ich meine Ruhe. Um mit anderen Menschen zusammenzuleben, braucht es nicht nur Offenheit, sondern man muss auch Nein sagen können. Das habe ich im vergangenen Jahr auf die harte Tour gelernt.

Seit März 2025 wohne ich nämlich mit einer Mitbewohnerin zusammen, die schwer krank ist. Es ging ihr über Monate hinweg sehr schlecht. Niemand wusste, was mit ihrem Körper los ist. Dazu kamen noch psychische Probleme. Das hat sie alles in der WG abgeladen. Dabei sollten Freund*innen und Familie sowas doch eigentlich am meisten auffangen.

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