chrismon: Herr Kulisch, Sie haben Erwartungen an Kinder und Jugendliche untersucht – weltweit. Was haben Sie herausgefunden?
Leonard Kulisch: Wir haben in 70 Ländern geschaut, wie sich über die letzten drei Jahrzehnte gesellschaftlich geteilte Erziehungsziele geändert haben. Vor allem haben wir die Bedeutung von Eigenständigkeit und sozialer Eingebundenheit von Kindern untersucht. Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Art, wie wir Kinder erziehen und was wir von Kindern erwarten, mit der Entwicklung von Angststörungen zusammenhängt.
Wie ist die Studie entstanden?
Es gibt schon andere Studien, die zeigen, dass sich die Gesellschaften weltweit immer mehr auf Individualität und Eigenständigkeit fokussieren. So wünscht man sich seine Kinder, so soll auch die Schule sie erziehen. Wir wollten uns anschauen, ob sich die Veränderungen auch auf globaler Ebene abbilden lassen, ob das vielleicht erklären könnte, warum immer mehr Kinder und Jugendliche von psychischen Störungen belastet sind.
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