Rechtsextremismus und Glauben
Dieser Rechtsextreme glaubt an Gott – echt?
In einem langen Gespräch auf Youtube unterhalten sich der rechte Christfluencer Leonard Jäger und der Vordenker der Neuen Rechten Martin Sellner über ihren Glauben. Was kann man daraus lernen?
Screenshot von der Gesprächssituation zwischen Martin Sellner und Leonard Jäger auf Youtube
Screenshot von der Gesprächssituation zwischen Martin Sellner und Leonard Jäger auf Youtube
Screenshot Youtube / Ketzer der Neuzeit / [M] chrismon
Lena Uphoff
01.06.2026
6Min

Martin Sellner gilt als rechtsextrem. Kann so jemand ein Christ sein? Oder schließt sich beides aus? Diese vieldiskutierte Frage kann man jetzt anhand eines neuen Videos durchdenken: Der Youtuber Leonard Jäger hat ein langes Gespräch mit dem Vordenker der Neuen Rechten Martin Sellner geführt. Jäger nennt sich selbst auch "Ketzer der Neuzeit". Er gilt als politisch rechtsstehend und hat unter anderem dadurch auf sich aufmerksam gemacht, dass er einmal einen sogenannten "queeren Gottesdienst" in Berlin gestört hat, und dadurch, dass er Alice Weidel nach ihrem Glauben an Gott befragt hat. chrismon hat bereits ausführlich über ihn berichtet. Jäger betreibt als "Ketzer der Neuzeit" einen Youtube-Kanal mit 580.000 Abonnenten, dessen Folgen auch in seinem eigenen Podcast namens "LEO – Ein Ketzer-Original-Podcast" erscheinen. In einer der jüngsten Folgen des Podcasts hat er nun Martin Sellner zu Gast.

Das Gespräch ist auch deshalb interessant, weil es viele Erwartungen bricht. Denn hier tritt kein hassversprühender Nazi auf. Aber dazu gleich.

In den ersten zwei Stunden des insgesamt dreistündigen Podcasts geht es um das politische Programm Martin Sellners, um "Remigration" und das Potsdamer Treffen, es geht um Martin Sellners Vergangenheit und auch um eine angeblich existierende Asylindustrie. In den Shownotes des Podcasts (das sind eine Art Kapitelüberschriften) sind diese Themen mit dem Zusatz "was wirklich passierte" oder "was Sellner wirklich meint" versehen. Und diese Hinweise sind bezeichnend. Denn als Hörer bekommt man den Eindruck, Martin Sellner solle vor einer ungerechtfertigten Verzerrung seiner Person und seines Denkens befreit werden.

Leonard Jäger bietet Martin Sellner viel Raum, um sich als freundlich und intelligent und missverstanden darzustellen und immer wieder zu erklären, dass er eigentlich das Gute wolle und die politischen Verantwortlichen ihn völlig unbegründet ächten und jagen würden. Dass das überzogen ist und es viele Gründe dafür gibt, warum er zu Recht als rechtsextrem und verfassungsfeindlich agierend eingestuft wird, kommt nicht zur Sprache. Doch wer nur den Podcast hört, dürfte sich wundern. Denn Martin Sellner redet freundlich, gewinnend und auch klug.

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