Ehrenamt Luthergedenkstätten
Netzwerken für Martin Luther
Ehrenamt gesucht? Jutta Fischer vom Freundeskreis der Luthergedenkstätten in Eisleben will das Unesco-Weltkulturerbe pflegen - und den Menschen Martin Luther nahe bringen
"Es ist jedes Mal schön, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen"
Jutta Fischer vom Freundeskreis Luthergedenkstätten in Luthers Geburtshaus in Eisleben
Charlotte Sattler
Tim Wegner
11.04.2026
3Min

chrismon: Was machen Sie?

Jutta Fischer: Wir unterstützen die Luthermuseen an den Standorten Wittenberg, Eisleben und Mansfeld: ideell, materiell und finanziell. Was nicht in deren Haushaltsplan steht oder stehen darf, das übernehmen wir. Zum Beispiel die Bewirtung bei Veranstaltungen oder die Finanzierung verschiedener Projekte. Wir helfen auch bei der Kinderbetreuung in den Ferienprogrammen, und zum Advent in den Lutherhöfen von Eisleben füllen wir Nikolaustüten für Kinder. Meine persönliche Hauptaufgabe ist: netzwerken.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe während meiner Zeit als Oberbürgermeisterin mit den Luthermuseen eng zusammengearbeitet. Als deren Leiter Dr. Stefan Rhein in den Ruhestand gegangen ist, kam die Idee zum Freundeskreis auf und er fragte, ob ich nicht auch dazustoßen möchte.

Warum machen Sie das?

Ich möchte mich für den Zusammenhalt in unserer Region einsetzen und den Erhalt des Unesco-Weltkulturerbes unterstützen. Denn ich bin überzeugt, dass bürgerschaftliches Engagement zu einer offenen Gesellschaft und einer lebendigen Demokratie gehören.

Wie viel Zeit investieren Sie?

Das variiert. Fällt etwas an, kommunizieren wir auf schnellem Weg. Vor Veranstaltungen steigt der Aufwand deutlich. Einmal im Jahr ist Mitgliederversammlung.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Ehrenamt?

Es ist schön, zu sehen, wie in der Region die verschiedenen Gruppen zusammenwachsen und einander helfen: Landfrauen, Vereine, Firmen, Initiativen – generationsübergreifend gestalten Menschen Projekte. Unser erstes Projekt war eine schöne, nachhaltige Bank, um die Eiche im Hof vom Museum Luthers Sterbehaus. Sie ist einladend und bequem. Leute, die sich ausruhen und warten, kommen dort ins Gespräch. Das ist schön! Und natürlich der Kontakt mit den Kindern, die die Bank in den Ferienprogrammen ausgiebig nutzen.

Hören Sie hier unseren Podcast "Sprachstunde". 20 Minuten, ein Wort, ein Gast

Was war so eine schöne Begegnung?

Es ist jedes Mal schön, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel haben wir einen Bäckermeister gefunden, der Brot wie zu Luthers Zeiten backt, wir machen Fettbrote, wie man sie damals gegessen hat. Das Mansfelder Land ist seit mehr als 800 Jahren Bergbaugebiet, auch die Bergleute kennen die Brote. Sie fangen an, zu erzählen, von der Bergmannsvesper, der Kost zur Mettenschicht oder vom Tscherperessen. Es gibt viel Spannendes zu hören! Oder wenn wir mit Kindern Kräuterquark oder Kräutersalz wie zu Luthers Zeiten machen. Kinder sind immer offen und sagen die Wahrheit, das ist überwältigend.

Zum Beispiel?

Wir kamen in einem Ferienprogramm auf das Thema Luther und Sprache zu sprechen. Wir haben Beispiele für Dialekt und Hochsprache gesammelt, und auf einmal sagte ein Kind: "Schau mir auf’s Maul." (Lacht)

Was kann anstrengend sein?

Das Repräsentieren unserer Arbeit an den Infoständen. Bis alles aufbereitet, zusammengepackt ist, die Brot- und Käseplatten vorbereitet sind. Das Schleppen, das Dekorieren, die vielen Stunden am Stand … Ich bin einfach nicht mehr die Jüngste.

Welche Eigenschaften helfen bei der Aufgabe?

Offenheit und Kommunikationstalent und der Wille, ganz uneigennützig auch mal für andere als die eigenen Themen Gutes zu tun.

Womit hätten Sie nicht gerechnet?

Was für tolle Dinge wir in unseren ersten fünf Jahren geschafft haben. Das eine ist, ein kleines Projekt zu finanzieren wie die Lutherbank, die wir zuerst gestiftet haben. Jetzt haben wir uns getraut, dafür zu sorgen, dass die Lutherkutte restauriert werden kann. Ich war skeptisch, denn stattliche 12.000 Euro sind nötig. Aber siehe da, wir haben tolle Kooperationspartner gefunden und es klappt. Hätte ich nicht gedacht!

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