chrismon: Ihr Buch "Griff nach Gold" erzählt vom Einfluss der politischen Weltlage auf die Fußballweltmeisterschaft – häufig geht es um Machtpolitik, Kommerzialisierung und Ungerechtigkeiten. Nicht unbedingt Stoff, der die Vorfreude auf eine WM steigert …?
Carlos Gomes: Gerade als Fußballfan sollte man wissen, wie die Weltmeisterschaft entstanden ist und welche Geschichte dahintersteckt. Dabei erzählen wir nicht nur von problematischen Entwicklungen. Es gibt auch viele positive Beispiele. Afrika hat sich etwa durch einen Boykott der WM 1966 einen festen Startplatz erkämpft. Und die WM 1962 war für Chile ein wichtiger Impuls zur Modernisierung. Aber man sollte die Schattenseiten nicht ausblenden.
Dabei sagen doch viele, Fußball sei unpolitisch?
Die WM war schon immer politisch. Etwa wie die Fifa mit Kolonien umgegangen ist: Die sogenannten Überseegebiete durften immer nur teilnehmen, wenn die europäische Kolonialmacht zugestimmt hat. Das war aber fast nie der Fall. Dann hat die Fifa die jeweilige Mannschaft ausgeschlossen und allen anderen Mannschaften verboten, gegen sie zu spielen. Auch bei der Vergabe der Austragungsorte spielte Politik schon immer eine Rolle.
Die zweite Weltmeisterschaft zum Beispiel fand 1934 in Mussolinis Italien statt. Mussolini interessierte sich gar nicht besonders für Fußball, aber er verstand, dass man mit solchen Massenveranstaltungen Menschen beeindrucken und beeinflussen kann. Vor den Spielen zeigte die italienische Mannschaft den faschistischen Gruß. Die WM 1982 in Spanien wurde im Jahr 1966 vergeben, als Franco dort noch Diktator war.
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