Social-Media-Verbot
Wenn es Vorschriften für Drogen gibt, wieso nicht auch für Social Media?
Australien hat als eines der ersten Länder weltweit ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt. Doch wie wird dieses Gesetz im Alltag umgesetzt, und kann es den Schutz bieten, den es verspricht?
Australien hat soziale Medien für Jugendliche unter 16 Jahren verboten. Befürworter sehen darin einen notwendigen Schutz vor algorithmisch gesteuerten Plattformen, die Suchtmechanismen und problematische Inhalte fördern
Rawpixel / Getty Images
Tim Wegner
25.02.2026
4Min

chrismon: In Deutschland diskutiert die Politik derzeit ein Social-Media-Verbot für Jugendliche. Ein Gegenargument ist, dass die Jugendlichen sich Wege suchen werden, das Verbot zu umgehen. Halten sich die Jugendlichen in Australien tatsächlich an die Vorgaben?

Peter Demuth: Ich denke, dass die Umsetzung weitgehend funktioniert. Die Verantwortung liegt nun primär bei den Plattformanbietern. Es gibt Alterserkennungssysteme – etwa über Biometrie –, um den Zugang zu regeln. Natürlich gibt es immer Möglichkeiten, so etwas zu umgehen. Besonders ältere Jugendliche, die bereits Konten hatten, suchen sich diese Möglichkeiten. Ich sehe jedoch eine Parallele zum Alkohol- oder Nikotinverbot: Es verhindert zwar nicht jeden Missbrauch, stellt aber sicher, dass die breite Mehrheit keinen einfachen Zugang mehr hat. Für Zehnjährige ist es nun deutlich schwieriger, überhaupt ein Konto in den sozialen Netzwerken zu erstellen.

Welche gesellschaftliche Wirkung hat ein solches Verbot über die technische Sperre hinaus?

Das Gesetz entlastet Eltern und Schulen enorm. Ich bin Vater von 13-jährigen Zwillingen, die langsam nach mehr Onlinezugängen fragen. Wenn Eltern ihren Kindern soziale Medien verbieten, können sie nun auf einen offiziellen sozialen Standard verweisen. Es ist dann nicht mehr nur eine private Erziehungsentscheidung, sondern geltendes Recht. Das nimmt den enormen sozialen Druck von den Familien.

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