Naturbeobachtungen im September
Wilde Wespen, scharfer Senf
Wer sich im September unter freiem Himmel aufhält, hat auf jeden Fall mit Wespen zu tun, entdeckt gelbe Felder (und tippt dabei fälschlich auf Raps), und findet vielleicht am Wegrand auch einen leckeren Pilz
Wilde Wespen, scharfer Senf
Christina Gransow
Tim Wegner
27.08.2025
3Min

Der Schopf-Tintling ist ein Speisepilz für Anfänger, weil er recht gut von giftigen Pilzen zu unterscheiden ist. Ein länglicher weißer Hut voll abstehender Schuppen ‒ ein Schopf eben. Steht gern in ganzen Gruppen, weniger im Wald als am Waldrand und am Wegrand. Achtung: Gut essbar ist er nur, wenn er innen und außen noch schneeweiß ist und an keiner einzigen Stelle rosa oder gar bräunlich! Ein richtig alter Tintling übrigens tropft schwarz, daher der Name.

Lesetipp: Wie man Pilze richtig putzt

Wenn es Menschen nach dem Genuss selbst gesammelter Pilze schlecht geht, liegt das oft daran, dass sie zu alte Pilze mitgenommen haben. Oder dass sie die Pilze nicht lang genug erhitzt haben. 15 bis 20 Minuten sollten es schon sein. Dabei größere Pilze halbieren oder vierteln, damit sie gleichmäßig erhitzt werden. Den Tintling sollte man am selben Tag essen, denn er verdirbt schnell. Manche finden, er schmecke nach Spargel. Auf jeden Fall schmeckt er zart. Am besten in Öl oder Butter braten, dazu Salz, ein Hauch Pfeffer, vielleicht auch etwas gemahlenen Kümmel. Dazu ein Salat. Oder einfach ein Brot.

Warum fliegen einen die Wespen im Spätsommer so hektisch an? Weil sie schlecht gucken können und uns (oder den Kuchen) erst mal von allen Seiten beäugen müssen. Und wieso fliegen sie einem direkt ins Gesicht? Weil da, unvermeidlich, winzige Limo- und Kuchenreste an der Oberlippe hängen, und Wespen können gut riechen. Deshalb Kindermünder gründlich abwischen, auch gegen Protest. Auch die Mineralien im Gesichtsschweiß könnten essbar sein...

Aber warum fliegen Wespen nicht schon im Juni auf alles Süße? Weil die erwachsenen Wespen im Juni ihre Kinder mit vorgekauten Insekten füttern und sich selbst an den süßen Ausscheidungen der Kinder laben, natürlich auch am Nektar von Blüten. Später aber sind die Kinder groß, es gibt viel weniger Blüten, also suchen die Wespen andernorts nach Zuckrigem. Nicht anpusten, nicht hauen, denn dann wollen sie sich verteidigen. Auch nicht erschlagen (Wespen sind geschützt). Sondern einen Wasserzerstäuber zur Hand nehmen, etwa eine Blumenspritze. Dann denkt die Wespe: Es regnet, nichts wie nach Hause! Regen mögen sie nicht, da verkleben die dünnen Flügel, mit Fliegen ist dann erstmal nichts mehr.

Übrigens gibt es Hunderte von Wespenarten in Deutschland (verschiedenste Blattwespen zum Beispiel), am Esstisch lästig werden nur zwei Arten: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Vielleicht hilft - neben der Wasserspritze - auch dieser Gedanke: Diese Wespen haben nur noch kurz zu leben, man könnte ihnen ja was gönnen. Den Herbst und Winter überleben nur die frisch geschlüpften Königinnen.

Blüht da etwa noch mal Raps? Nein, es ist schließlich nicht April oder Mai. Wenn es auf Äckern im September gelb blüht, dann ist das Senf. Eine sogenannte "Zwischenfrucht" zur Gründüngung – die Pflanzen werden nicht geerntet, sondern bleiben auf dem Acker und werden später eingearbeitet. Die tief reichende Wurzel des Senfs lockert verdichteten Boden auf. Folglich bleibt ein Starkregen nicht in der oberen Erdschicht stecken und vermatscht sie, sondern versickert bis in die Tiefen – das ist gut für die nachfolgende "Hauptfrucht", etwa Winterweizen.

Außerdem gilt der Gelbe Senf als unkomplizierte Zwischenfrucht, weil er schnell den Boden komplett abdeckt, so dass keine unerwünschten Beikräuter hochkommen (landläufig "Unkräuter" genannt). Aber in der Tat: Senf und Raps ähneln sich, beide Pflanzen sind Kreuzblütler, sogar die Blätter sind ähnlich. Doch Senfblätter riechen scharf nach Senf, wenn man sie verreibt, Raps verbreitet einen eher kohlartigen Geruch.paten

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