Liebe Leserin, lieber Leser,
haben Sie die Bilder vor Augen? Überfüllte Schlauchboote, Schwimmwesten treiben auf dem Meer, Strände mit angeschwemmten Gepäckstücken. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind nach UN-Angaben 441 Menschen bei der Überquerung des Mittelmeers ertrunken oder werden vermisst. Es wird wieder von einer "Flüchtlingskrise" gesprochen. Als seien die "Flüchtlinge" der Grund für die Krise und nicht das Elend, aus dem die Menschen flüchten.
441 ist eine Zahl und lässt sich beiseiteschieben. Doch jeder und jede dieser 441 Menschen hatte einen ganz persönlichen Grund, sich auf den Weg zu machen. Auch die junge Künstlerin Hafiza Qasimi aus Afghanistan wollte ihre Heimat verlassen. Als die Taliban im August 2021 die Macht übernommen haben, sah sie keine Chance mehr für sich. chrismon berichtete 2022 über sie. Viele Leserinnen und Leser haben uns daraufhin geschrieben und ihre Hilfe angeboten. Vor einigen Wochen erreichte uns die gute Nachricht: Hafiza Qasimi hat es nach Deutschland geschafft! Wie es dazu kam, lesen Sie hier.
Auch diejenigen, die argumentieren, jetzt müsse mal Schluss sein mit der Aufnahme von Geflüchteten, kommen ins Zweifeln, wenn sie von einem konkreten Schicksal erfahren. Die syrische Schwimmerin Sara Mardini wurde nach ihrer Flucht 2015 so bekannt, dass Netflix ihre Geschichte verfilmte. Jetzt gibt es auch noch einen Dokumentarfilm über sie. Ich habe Mardini gefragt, was sie über den Satz "Wir können nicht alle aufnehmen" denkt. Ihre verständnisvolle Antwort hat mich beeindruckt. Lesen Sie das Interview hier.
Die neue Regierung in Italien hat die Wahlen mit einem harten Flüchtlingskurs gewonnen. Wie wirkt sich das aus? Das fragen wir im Zoom-Webinar "Europa hinter Gittern" am morgigen Dienstag (12-12.45 Uhr) Rüdiger Kronthaler, ARD-Korrespondent in Rom. Auch die Pastorin Sandra Bils ist zu Gast im Webinar und erklärt, warum die Kirche Seenotrettungsschiffe aufs Mittelmeer schickt. Das Webinar findet in Kooperation mit Arte statt. Hier geht's zur Anmeldung.
Viele neue Einblicke wünscht Ihnen
Ihr Konstantin Sacher
chrismon-Redakteur

