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Eine gute Woche ist es her, dass US-Präsident Donald Trump über den offiziellen "X"-Account des Weißen Hauses verkündete, die Klimaforschung habe eingestanden, dass ihre Projektionen falsch gewesen seien – "WRONG! WRONG! WRONG"! – Ich, Donald Trump, schütze euch vor all jenen, die in den Verzicht nötigen wollen. So muss man die Worte wohl verstehen.
Die Nachricht wirft ein Schlaglicht auf das Dilemma, in dem die Klimakommunikation steckt, seit es sie gibt: Die Sache ist weiterhin ernst, aber auch komplex. Und es geht nie nur um Fakten, sondern immer noch um Gefühle. Man kann von Trump halten, was man will, aber er hat ein sicheres Gespür dafür, wann er Menschen emotional ansprechen muss.
Ich möchte versuchen, die Dinge zu sortieren: Wahr ist, dass bereits Anfang April neue Emissionsszenarien vorgestellt wurden. Das ist eine wichtige wissenschaftliche Aufgabe, denn wie sehr sich das globale Klima erwärmt, hängt davon ab, wie viele Treibhausgase noch zusätzlich in die Atmosphäre gelangen.
Seit der Industrialisierung wurde unvorstellbar viel Kohle, Öl, Benzin, Diesel, Kerosin und Gas verfeuert. Deshalb ist die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre auch stark gestiegen. Und deshalb ist es auf der Erde auch schon um etwa 1,5 Grad wärmer geworden.
Das klingt wenig, aber wir kommen aus einer sehr stabilen Klimaphase, die es ermöglicht hat, dass wir Menschen eine hochentwickelte Zivilisation entwickeln konnten. Und wir sehen bereits, wohin 1,5 Grad mehr führen: Wetterextreme nehmen zu, Gletscher schmelzen, Menschen andernorts auf der Welt müssen unfassbare Hitzewellen ertragen, zum Beispiel in Indien.
Also: Ohne Szenarien, was da in Zukunft auf uns zu kommen könnte, kann sich die Menschheit schlicht nicht auf das einstellen, was in Zukunft kommen kann. Wahr ist auch: Einige Szenarien gelten in der Klimaforschung nunmehr als unrealistisch. Das betrifft sowohl sehr optimistische Berechnungen, für die die Emissionen bereits zu stark angestiegen sind, als auch ein pessimistisches Szenario, das seit Trumps Einlassungen unter seiner Bezeichnung "SSP5-8.5" durchs Internet und auch einige Medien geistert. Es wurde Anfang der 2010er neu aufgestellt, und die Annahme lautete, dass eine "intensive fossile Entwicklung" mit "besonders hohen Emissionen" bevorstehe. Die Folge wäre eine um 4,8 Grad höhere Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Wenn wir sehen, was 1,5 Grad bereits verändert haben, wird klar: Diese Entwicklung wäre absolut katastrophal.
Dieses Szenario – und das ist, um es mit Trumps Vorliebe für Versalien zu sagen, eine SEHR GUTE NACHRICHT – ist nicht mehr realistisch. Denn: Vor 15 Jahren galt als Spinner, wer den erneuerbaren Energien einen weltweiten Siegeszug vorhersagte. Genau der vollzieht sich aber, nochmals beschleunigt durch den fossilen Energiepreisschock, den wiederum Donald Trump durch seinen Angriff auf den Iran ausgelöst hat. Und er vollzieht sich sogar in den USA.
Aber da sind wir wieder bei den Fakten. Trump aber bedient Gefühle. Und findet Nachahmerinnen in Deutschland, zum Beispiel Kristina Schröder, CDU, ehemalige Bundesfamilienministerin, die in der "Welt" feststellte und fragte: "Die Apokalypse fällt aus. Können wir bitte noch mal über das Klimaziel sprechen?"
Ich glaube, Schröder weiß es eigentlich besser, agiert aber geschickt. Ich nehme es nämlich niemandem übel, der bei ihren Worten denkt: "Super, nach all den Veränderungen bin ich froh, wenn etwas bleiben kann, wie es ist. All die Debatten, all der Streit nerven mich. Und der Klimawandel muss mir auch keine Angst mehr machen."
Es ist normal, so zu empfinden! Es ist Psychologie, deshalb funktionieren die Verzögerungsstrategien auch so gut, mit deren Hilfe die fossile Lobby noch möglichst lange an ihrem Geschäftsmodell festhalten will.
Also: Das schlimmste Szenario ist unrealistisch, weil die Erneuerbaren ein Erfolgsmodell sind. Sie machen uns übrigens auch unabhängiger von globalen Krisen, das wäre auch ganz ohne Klimakrise eine sehr gute Nachricht.
Außerdem: Die Klimaforschung folgt wissenschaftlichen Prinzipien, sie revidiert sich, wenn die Faktenlage es hergibt. Sie kennzeichnet Unsicherheiten, wo sie bestehen. Auch das ist gut.
Aber leider fällt der Klimawandel nicht aus. Er ist schon da – genau wie die Hoffnung, dass wir ihm begegnen können!







