Männliches Kalb580 wird mit Milch von Hand gefüttert.
Kalb 580 wurde nach der Geburt von seiner Mutter getrennt
Aaron Leithäuser
Milchwirtschaft
Was wird aus Kalb 580?
Damit wir Milch im Kaffee und Käse auf dem Brot haben, bekommt eine Kuh im Schnitt jedes Jahr ein Kalb. Der männliche Nachwuchs ist für die Milchproduktion nutzlos. Wohin mit ihm? Wir haben ein Bullenkalb auf seinem langen Weg begleitet
privat
Aaron Leithaeuser
20.09.2023
16Min
Es kündigt sich an. Das Euter der Mutterkuh gleicht einem rosa­farbenen Ballon, prall und groß. Immer ­wieder hat sie sich hingelegt, schwerfällig auf die Vorderknie sacken lassen, um sich ein paar Minuten später wieder auf die Beine zu ­stemmen. Dieses Mal bleibt sie im Stroh der Abkalbebox liegen. Ihr schwarzer Körper hebt und senkt sich. Die Wehen zeigen sich als ­kleine Wellen auf dem Fell.

Allmählich ragen zwei weiße Hufe unter dem Schwanz hervor. "Ich will dir nur helfen", murmelt Landwirt Walter Fischer, 54. Er legt die rechte Hand kurz auf den Kuhhintern, greift nach den Vorderbeinen des Kalbes und
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Tierhaltung

Die Kälber aus der Milchproduktion sind für die Mast wenig geeignet, sie setzen kaum Fleisch an. Das intensive Füttern lohnt sich für die meisten deutschen ­Betriebe nicht. Überdies ist die Nachfrage nach Kalbfleisch in Deutschland eher ­gering. In einer immer spezialisierteren Landwirtschaft setzt man hierzulande stark auf die Milchproduktion, während in den Niederlanden oder in ­Spanien in großen Anlagen gemästet wird.

Bis zum achten Lebensmonat des Tiers darf sein Fleisch Kalbfleisch heißen. Im Schnitt werden die Kälber im Alter von sechs bis sieben Monaten geschlachtet. Zum Teil werden die Tiere zuvor bis nach Marokko oder in den Libanon verschifft.

Elternzeit für Kuh und Kalb – daran ­ver­­suchen sich einige Biohöfe. Die Tiere ­bleiben in den ersten Monaten beieinander, das Kalb darf von der Mutter oder ­einer Amme trinken. Es bleibt in der ­Region und soll auch dort geschlachtet werden. Landwirte aus Baden-Württemberg haben das Siegel "Bruderkalb" ­entwickelt, unter dem zartrosafarbenes Fleisch aus artgerechter, kuh­gebundener Haltung vermarktet wird.

Ein anderer Weg, das Leid der Tiere zu vermindern: Anstatt die Kühe zehn Wochen nach einer Kalbung bereits wieder zu ­besamen, kann diese Zwischenkalbezeit ­verlängert werden. Dadurch soll die Zahl der Kälber insgesamt reduziert ­werden.

Landwirte können auch sogenanntes ­gesextes Sperma einsetzen und damit ­erreichen, dass weniger Bullenkälber ­geboren werden. Das ist allerdings teuer: Gesextes Sperma kostet etwa doppelt so viel wie herkömmliches.

Leseempfehlung
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Sehr geehrte Damen und Herren,
das größte Gift ist die Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der Tiere.
Langstreckentransporte für Kälber, aber auch für alle anderen Nutztiere in Europa, gehören verboten.
Gravierende Verstöße gegen das europäische Tierschutzgesetz sind an der Tagesordnung, da die Vorschriften einfach umgangen werden.
Wie man in ihrem Artikel sehr gut nachlesen kann. Von der Animal Welfare Foundation habe ich das erste Mal gehört und bedanke mich für den Hinweis. Es ist für jeden Einzelnen von uns möglich, etwas dafür zu tun, daß soche Tierquälerei endet.
Ulrike Beck-Iwens
Hof

Stimmt!. Dann fangen Sie mal an. Zuerst bei allen sog. Haustieren, die mit Fleischresten billig ernährt werden. Reste aus Kadaver, im Ausland geschreddert, unkenntlich vakuum-sterilisiert, tiefgefroren, zermahlen und als Protein geschätzt. Warum ist/war unser Fleisch so billig? Weil die Reste zu 100% verwertet werden können. Selbst die böse Gülle ist jetzt als Handelsware Gold wert. Was hat ein Piepmatz verbrochen, dass er als Flug- und Fluchttier zum Gaudi der Kinder im kleinsten Käfig auf der Stange hüpfen darf? Freut sich ein Fisch am Haken, dass er zappelnd an der frischen Luft ist?

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Zum Erbarmen! Die mitfühlende Ader schlägt vollkommen zu recht unüberhörbar. Kein Widerspruch! Wer dem nicht zustimmt, ist grausam. Nichts ist so zuverlässig wie die Mitleidsdrüse, die wir alle für unsere kulturellen Ansprüche haben. Nicht vergessen, es gibt auch Kulturen, in denen die vorurteilslose Nächstenliebe keinen so hohen Stellenwert wie im Christentum hat. Stellen Sie sich vor, dass würde man man Ihnen machen! Wer dem nicht zustimmt, ab in die brune Ecke! Aber die, die das sagen und zurecht die Brutaltät des Lebens verurteilen, sind aber auch nicht in der Lage, eine andere Lösung für Preise, Versorgung und Zukunft zu nennen. Sie sind nicht bereit, auch nur darüber nachzudenken, welche Alternative es denn zur Entwicklung der Zivilisation mit all ihren guten und katastrophalen Folgewirkungen es denn geben könnte. Vegan für Kleingärtner, aber Mietshäusler und Slumbewohner wollen und sollen auch versorgt werden. Bitte auch nicht vergessen, mit jedem Produkt das Sie kaufen, mit jeder Ansicht die Sie äussern, billigen und kaufen Sie auch indirekt die Bedingungen, unter denen das Produkt, ihre Ansicht entstanden ist. So wurde evtl. das neue Pflaster, auf dem Sie laufen, mit Kinderarbeit in Indien gemacht. Und die 12-Jährigen, die auf dem Hof den Traktor fahren, sind auch dabei. Ihr Shirt von KiK aus Vietnam hat blutige Falten. Mit süßlichen Ansichten ist keine Antwort zu backen. Das Leben ist brutal. Nicht nur durch Krieg, sondern auch durch unseren Wohlstand für die Anderen. Es hilft nicht, nach dem Staat zu rufen und an das Edle im Menschen zu appelieren. Der Staat is unser Büttel. Gegessen werden muss jeden Tag und die Zukunft duldet keine Verzögerung. Die Zahl der Anspruchsberechtigten wird jeden Tag grösser. Eine Diskussion darüber ist unethisch aber irgendwann unausweichlich. Es kommt dann zuverlässig die Frage, "Wollen Sie der Erste sein, der freiwillig die Konsequenzen trägt?". Diese Frage auch an die Verfasser Kuoff u. Leithäuser.

"Der Staat is unser Büttel." Ist ja hochinteressant. Ich stecke also den Staat in den Knast, wenn der mir nicht passt. Ausprobieren! Doch Vorsicht! Es gibt das Gerücht, der Staat würde diejenigen der freien Bürger in den Knast stecken, die gegen den Staat vorzugehen versuchen.

Fritz Kurz

Antwort auf von Fritz Kurz (nicht registriert)

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Ist das alles als Antwort?
Büttel steht für Gerichtsdiener, Fronbote, Scherge, aber auch für Prügelknabe und Allesverantwortlicher. Es ist ja hochinteressant, wie da auf ein wichtiges Thema geantwortet wird.

Es ist durchaus löblich, dass Sie in die Wikipedia geschaut haben und deren Worterklärung hier vortragen. Dann überprüfen Sie am besten selber, was von Ihrer Aussage zu halten ist: "Der Staat is unser Fronbote" oder "Der Staat is unser Scherge" Erahnen Sie eine Antwort?

Fritz Kurz

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Schnitzel Wiener Art kann man sich, oh Wunder, selber herstellen. Rezepte findet man im Internet.
Auch muss man für Geflügelbrust kein Tier mehr töten. Man hole sich dazuu im Asialaden eine Dose Bananenblüte.
Das vegane Leben ist so einfach ...