Sabine M. aus Essen fragt:
Mir ist das Portemonnaie mit allen Karten gestohlen worden: Kredit, Krankenkasse, Bahncard, Perso, Führerschein. Megaärgerlich. Nach vier Wochen brachte ein Mann fast alle zurück, er hatte sie gefunden.
Ich wollte mich eigentlich mit einem Blumenstrauß bedanken, denn er hatte sich echt Mühe gemacht, mich gegoogelt, bei meiner Firma angerufen. Aber er fing gleich an mit rassistischen Sprüchen. Das seien bestimmt die "Zigeuner" gewesen, die hätten ja auch gerade ein "Lager" … Ich war überfordert und sagte nur Danke. Jetzt frage ich mich: Wie hätte ich reagieren können?
Stefanie Schardien
Stefanie Schardien antwortet:
Wie schade, dass eine so schöne Geschichte auf einmal einen so bitteren Beigeschmack bekommt. Sie zeigt das, was aktuell so häufig in der Gesellschaft zu beobachten ist: Viele Leute wissen im Grunde absolut, was sich gehört, wie man freundlich ist und gut miteinander auskommt.
Doch dann kommen die anderen schlechten Bauchgefühle hoch, aus Unsicherheit, Wut, Unwohlsein oder Überdruss. Dabei passiert etwas, das mir wie ein ungutes Gegenmodell zu der Sauerteigidee erscheint, die in der Bibel steht: Jesus vergleicht Gottes Reich mit einem aufgehenden Sauerteig, der unser Leben immer mehr durchdringt.
Leider funktionieren nun Hass und Wut ähnlich: Es beginnt mit kleinen Sticheleien, mit Anfeindungen, und auf einmal herrscht immer mehr ein Klima des Gegeneinanders, das die Mehrheit überhaupt nicht will. Sie hätten den Mann mit seinen zwei nicht zueinander passenden Seiten konfrontieren können: "Mensch, ich erlebe, wie freundlich Sie sind und wie viel Gutes in Ihnen steckt. Das steht Ihnen so viel besser als diese total unnötigen Sticheleien gegen andere."
Diese Schlagfertigkeit zu trainieren, ist heute so wichtig wie effektiv – und sie hilft dem guten Sauerteig beim Aufgehen.



